Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 19. September 1803. Montag

I.s Vorschlag sei schmeichelhaft und S. nehme ihn an. S. wolle ein genaues Verzeichnis von dem, was seit etwa anderthalb Jahren auf den Wiener Theatern mit Beifall gegeben worden sei, berichten. I. werde sehen, dass der Herr Zitterbart an der Wien mit seinen Opern dem Hoftheater gewaltig auf die Ferse trete und dass in der Leopoldstadt nichts Erhebliches gegeben worden sei. Die Ursache liege darin, dass nach dem Tode Marinellis niemand das Theater zu führen verstanden habe. Vor einem Monat sei es an Hensler verpachtet worden. Auf der Wieden sei Beschort aus Berlin in Armuth und Edelsinn zweimal mit großem Beifall aufgetreten. Man sage, Herr Zitterbart habe Beschort Anträge gemacht, mehrere Rollen zu spielen. Der Sänger Simoni komme wieder zur Italienischen Oper des Hoftheaters. Caché sei für die Lippert'schen Rollen am Hoftheater engagiert worden. Der bekannte Thaddädel Hasenhut beziehe bei Zitterbart sehr viel Gehalt. - Zum Hoftheater: Klingmann wolle zu Zitterbart, wenn Baron von Braun Klingmanns Forderungen nicht erfülle. Brockmann sei wieder gesund in Wien angekommen. Er sei entzückt über die ausgezeichnete Aufnahme in Berlin. Brockmann sei zuerst wieder im Regulus mit Beifall aufgetreten. Braun habe das Hoftheater für 12 Jahr mit unumschränkter Gewalt wieder erhalten. Die Freibillets sollen abgeschafft werden. Polyxenia, die neue griechische Tragödie von Collin, werde einstudiert und soll am Namenstag der Kaiserin gegeben werden. Am Namenstag des Kaisers werde Die Deutsche Familie, Bearbeitung des Romans Lorenz Stark von Engel, gegeben. Von Kotzebue gebe es das Trauerspiel Eduard in Schottland nach Duval. Kotzebue sei jetzt in Paris und wolle nach London gehen. Gerüchte und Witze über Kotzebue.- S. schicke weder Opern noch Bücher, weil er das Berliner Repertoire nicht kenne. I. möge sagen, was er wolle. Fragt, ob die Pakete durch das Arnsteinische Haus an Itzig in Berlin besorgt werden sollen. Es folgt eine mit Bewertungen versehene Auflistung von Stücken, die an folgenden Theatern gespielt wurden: Theater an der Wien, Hoftheater, Theater in der Leopoldstadt.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 30. Oktober 1803. Sonntag

Mit dem nächsten Postwagen erhalte I. das in der Beilage Verzeichnete. Das Sternenmädchen (leider nur den ersten Akt, weil der Kopist nicht fertig wurde). Das Stück koste 54 Florin. Moses von Süßmayr schicke S. samt Musik, damit I. selbst entscheiden könne. Das Stück koste ebenfalls 54 Florin. Der wohltäthige Derwisch (Manuskript), Die beiden Füchse (gedruckt), Die Haarlocke (gedruckt). Das Waldweibchen (gedruckt), bei Marinelli mit Beifall aufgeführt, schicke er ebenfalls zur Prüfung. Achilles (Manuskript). Ferner schicke S. den neuen Hoftheater-Almanach. Als eine kleine Attraktion: von mir Karl der Kühne überlasse S. zur beliebigen Disposition ohne Verbindlichkeit. S. habe dieses Stück vor Erscheinen der Johanna von Montfaucon geschrieben. S. habe es Kotzebue zum Lesen gegeben. Die Brüder als Nebenbuhler seien nicht abgeschrieben. Die Musik sei gut, das Buch aber schlecht. Die beyden Gefangenen seien beim Kopisten. S. habe gehört, dass Roose das kleine Stück Das war ich schon an I. geschickt habe. S. habe mit Treitschke gesprochen und dieser habe gesagt, das zweite Kapitel abgeschickt zu haben. In Zukunft wolle Treitschke seine Sachen durch S. versenden lassen. - Aufzählung verschiedener Stückte und deren Preise. - Die Haarlocke und den Pächter Robert habe er jüngst an der Wien mit sehr viel Beifall gesehen. Robert sei eine allerliebste Oper, die Musik sei von Lebrun, der Text von Seyfried übersetzt. Die Neuheiten im Hoftheater seien: Der Portugiesische Gasthof, aus dem Französischen von Treitschke, Musik von Cherubini. Diese Oper mache kein besonderes Glück. Die Oper sei eine Jugendarbeit von Cherubini. Morgen werde Der Onkel in Livree gegeben. Die Übersetzung sei von Treitschke, die Musik von Della Maria. S. schicke das Buch. - S. habe laut I.s Anweisung von Arnstein 100 Florin erhoben. - Ferner wurde vor einigen Tagen gegeben: Die Abentheuer auf Extrapost. Das Lustspiel mache kein Glück. Auf I.s Frage, ob Wien I. sehen wolle, antworte S. aufrichtig: Ganz Wien wünsche, I. zu sehen und zu bewundern. S. kenne keinen Wiener mit Geschmack und Bildung, der sich nicht mit Entzücken an den ersten dramatischen Künstler Deutschlands erinnere. Baron von Braun habe S. gesagt, es hänge nur von I. ab, in Wien zu spielen. - Polyxenia sei mit Pracht gegeben worden, habe aber nicht gefallen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 8. Januar 1804. Sonntag

Aus I.s Stillschweigen schließe S., dass I. die geschickten Sachen nicht erhalten habe oder mit S. unzufrieden sei. I. möge schreiben, ob er Moses behalten wolle und wie I.s Entschluss in Betreff der anderen geschickten Stücke ausfalle. Das Stück Der unruhige Wanderer könne S. für 90 Florin haben. S. habe dafür gesorgt, dass I. in Zukunft mit allen Neuheiten sogleich bedient werde. Beim deutschen K.K. Hoftheater wurde seit S.s. erstem Brief an I. nichts Neues gegeben, was Erwähnung verdiene. Das letzte Stück war Kotzebues Der todte Neffe, dem das Schicksal widerfuhr, das es verdient habe. S. schicke vier Bücher mit beliebten Opern, die alle im Theater an der Wien mit Erfolg gegeben worden seien und neu seien: Der Onkel in Livree, der am Hoftheater nicht, bei Zitterbart jedoch gefalle. Der Pachter Robert, Johanna und Die Gefangenen. - Dem Baron von Braun sei das Theater vom Hof noch nicht für die Zukunft zugesichert worden. Die Pachtung der Zölle in Galizien sei ihm nicht bewilligt worden. Sein Gegner, Graf Montalban, sei wegen Hochverrats dem Kriminalgericht übergeben worden. Die Baronin Natorp, deren Mann einen Bankrotte von einigen Millionen gemacht habe, sei gestern unter dem Namen Madame Mariana Sessi in Axur mit Beifall aufgetreten. Über Auftritte von Korntheuer. Herr Klingmann sei für künftiges Jahr bei Zitterbart engagiert. Brockmann sei seit zwei Monaten ohne Hoffnung auf Besserung krank. Lange habe das Gehör verloren. Mad. Adamberger werde an Lungesucht sterben. - Glückwünsche zum Neuen Jahr.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 24. Februar 1804. Freitag

I.s Schweigen besorge S., die Aufträge nicht zur Zufriedenheit erfüllt zu haben. Doch die Wichtigkeit der vorgefallenen Veränderungen möge S.s gegenwärtiges Schreiben entschuldigen. Am. 9. Februar sei die gesamte Deutsche Gesellschaft zu Herrn Viezedirektor Baron von Braun bestellt worden. Braun habe ihnen mitgeteilt, dass der Hof Braun das Theater mit weitreichenden Vollmachten für 15 Jahre überlassen habe. Die Inspizienten seien: Lange, Brockmann, Weidmann, Klingmann, Koch, Roose, Ziegler und Koberwein. Ihre Aufgaben seien: Austeilung der Rollen, Bestimmung der Sitzungen und Proben, Besorgung des ordentlichen Gangs der Stücke und Anordnung der Garderobe. Für Schreyvogel sei ein gewisser Sonnleithner bestimmt, welcher auch das Theaterprotokoll zu führen habe. In Betreff des Honorars sei festgelegt worden, das Ensemble in zwei Klassen zu teilen. Die erste Klasse, zu der auch die 8 Inspizienten gehörten, erhalte für jede Rolle 2 Florin, die zweite Klasse 1 Florin Remuneration. Das betreffe aber nur Mitglieder, die schon drei Jahre engagiert seien. Weitere Details zum Honorar. - Der Eintritt des Hoftheaters solle um einen Drittel erhöht werden. Am 11. Februar habe Baron von Braun von Zitterbart das Theater an der Wien für eine Million gekauft. Es sei kein Hoftheater, sondern gehöre allein Braun. Die Zettel seien noch nicht verändert, es heiße weiter privilegiertes Theater an der Wien. Sonnleithner sei Direktor dieses Theaters. Braun sei zum K. K. Hofkommissar ernannt worden, um die Zölle in Galizien zu regulieren. Madame Nouseul sei gestorben. Brockmann sei genesen und in Die beiden Klingsberge und im Regulus aufgetreten. Der neue Ballettmeister Gallet, ein Schülers Noverres, mache viel Glück. Seine Ballette Ariadne und Bacchus und Die verliebten Thorheiten hätten viel Sensation gemacht. - An der Wien und in der Leopoldstadt sei seit S.s letztem Brief nichts Erhebliches gegeben. Doch mache die lokale Posse Die schwarze Redoute viel Aufsehen. Im Theater an der Wien, würden heute Die Soldaten, die in Hamburg so erfolgreich gewesen seien, gegeben worden. Es folgt die Aufzählung der in den Hoftheatern aufgeführten Stücke seit S.s. letztem Brief. In diesem Zusammenhang Erwähnung von Madame Weißenthurn, Madame Roose, Herrn Koberwein. Madame Adamberger habe sich vom Theater verabschiedet. Sie sei aber nicht aufgetreten, sondern habe ihre Tochter geschickt. - Collin habe aus diesem Anlass ein kleines Stück verfertigt: Der Gestörte Abschied. Lange habe heute eine von Collin verfasste Rede an das Publikum gehalten. Braun gehe nach Galizien, Schikaneder verlasse das Theater an der Wien und gehe auf sein Landgut nach Nußdorf. S. wolle wissen, wie sich I. in Betreff der Stücke Heurath aus Konvention, Das Rendezvous , welche I. schon aus Wien mitgenommen habe, sowie Karl der Kühne und Der zerrissene Brief entschieden habe.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 28. Juni 1804. Donnerstag

Entschuldigt sich wegen der verspäteten Antwort. S. habe erst Informationen über die Theaterneuigkeiten Wiens sammeln müssen. S. habe ein Verzeichnis aller in den drei letzten Monaten aufgeführten Stücke angefertigt. In Zukunft wolle er jeden Monat schreiben. Zum Theater an der Wien: Die Gefangene aus dem Französischen von Seyfried, Musik von Cherubini hätten ziemlich gefallen. Das Narrenhaus habe einige Abende hindurch Unterhaltung gewährt. Johanna nach dem Französischen von Seyfried und Musik von Méhul habe gefallen. Spaß und Ernst von Schikaneder sei nicht übel. Pfändung und Personalarrest von Schikaneder und Teuber, die Musik habe missfallen. Doktor Guldenschmitt habe nicht gefallen. Der kleine Page nach dem Französischen von Seyfried und der Musik von Gallenberg sei durchgegangen. Tod und Lebendig sei tot zur Welt gekommen. Die Pagenstreiche von Kotzebue hätten nur für wenige Vorstellungen ausgereicht. Die tiefe Trauer, Musik von Berton, sei nur Spiel gewesen. Die Paläste von Russland von Reinbeck seien nur einmal gelaufen. Die Soldaten konnten nicht den zehnten Teil des Hamburger Erfolgs erringen. Ariodan, Musik von Méhul, sei trotz prächtiger Kleider und der Musik nur viermal gegeben worden. Das Portrait nach dem Tode des Dieulafoy habe nur Wenigen gefallen. List vermag alles sei schon vergessen. Tante Aurora nach dem Französischen des Longchamp, Musik von Boieldieu, habe nicht gefallen. Das Stück Der Perückenstock habe dasselbe Los gehabt. Die Kammerpagen des Villiers, Musik Isouard, ebenfalls. Ein gewisser Herr Kuditsch, ein vom Brünner Theater engagierter Schauspieler, sei zum ersten Mal im Graf von Waltron, in Lanassa und in Rollas Tod aufgetreten. Er habe eine schöne Figur und viel Talent. Ausgebildet würde er für ein großes Theater in Betracht kommen. Der Seelenverkäufer von Schildbach sei schlecht gelaufen. Madame Renner sei im Spiegel von Arkadien mit Beifall aufgetreten. Die Ähnlichkeit von Duval und Della Maria sei öfter gegeben worden. Liebe auf der Post von Picard habe kein Glück gemacht. Herr Krebs, erster Tenorist, habe als Tamino in der Zauberflöte nicht gefallen. Herr Quandt, ehemaliger Schauspieldirektor in Bamberg, habe als General in den Soldaten allen Kennern gefallen. Zitterbart wollte ihn für seine Bühne, Quandt hätte jedoch ein Engagement in Frankfurt angenommen. Samori von Huber und Vogler habe sich keine gute Aufnahme verschaffen können. Der junge Herr von Morowitz aus Leoben von Gewey habe missfallen. Die Scheidewand mit der Musik von Fischer habe wenig Wirkung gemacht. 20000 Thaler von Dorvigny habe auch keine bessere Aufnahme gefunden. Am 5. Juni habe Herr Ludwig Porte mit seiner Gesellschaft von Seiltänzern und Luftspringern gespielt. Er bekomme 1000 Dukaten für drei Monate und spiele dreimal in der Woche. Porte bringe Geld ein. Die zwei Grenadiere hätten ziemlich gefallen. Die treuen Bürger von Schlenkert hätten ganz missfallen. Die Ehemänner nach der Mode mit Musik von Seyfried seien mit heiler Haut davongekommen. I. sehe aus diesem Verzeichnis, dass das Theater an der Wien fleißig gewesen sei. Man habe die Absicht gehabt, dieses Theater auch zum Hoftheater zu machen, das sei aber nicht geschehen. Es würden dem Theater Reformen bevorstehen, denn es sei nicht gelungen, trotz Aufwand und Mühen, Geld einzubringen. Der Zustand der Kasse sei bedenklich. Ein Ludwig Porte und andere Coups seien der Beweis. Herr Sonnleithner sei nicht der Mann, dem Vorurteil, das man gegen dieses Theater habe, entgegenzuarbeiten. Die öffentliche Meinung traue ihm wenig zu. Herr Caché sei wegen Sonnleithner nicht gekommen. Man habe Schikaneder von seinem Tuskulum in Nußdorf zurückholen können. Sonnleithner trete Ende Juli ab. Herr Weidmann trete am 4. Juli in Die unmögliche Sache auf. - Die Hoftheater: Mai: Der Ton unserer Zeit habe missfallen. Aline, Königin von Golkonda habe wegen der Handlung und der Musik gefallen. Der Sänger Vogel habe große Wirkung gemacht. Hab' ich nicht Recht sei matt und gedehnt gewesen. Der Dienstfertige habe sehr missfallen. Der Papagoy von Kotzebue habe nicht gefallen. Verwirrung ohne Laster habe nicht gefallen. Der Kosakenoffizier von Dumonchau habe nicht missfallen. Madame Renner, Hofschauspielerin in München, sei im Mädchen von Marienburg aufgetreten. Sie habe gefallen, sie sei eine praktische Schauspielerin, leider nicht mehr jung. In Die Langmuth des Titus sei Viktoria Sessi, die Schwester der Baronin Natorp, aufgetreten. Sie habe Aufmunterung erhalten. Eine dritte Schwester gehe nach London. Zu weiteren Auftritten von Madame Renner. Mitgefühl von Treitschke und Wranitzky habe äußerst missfallen. List gegen Mißtrauen habe Frau Renner mitgebracht. Es habe Beifall erhalten. Herr Crescentini sei zum ersten Mal in Romeo e Giulietta aufgetreten. Der Sänger und die Oper hätten sehr gefallen. Zum Vorteil von Herrn Brizzi seien die Kantate Eloïse und Abéllard von Paër und Der Götterbund in Österreich von Kapellmeister Trento gegeben worden. Madame Renner spielte zum vierten Mal in Die Hagestolzen, ihre fünfte Rolle spielte sie in List gegen Mißtrauen. Die Renner solle am Hoftheater engagiert werden, wenn der Kurfürst ihren Vertrag löst. Madame Eigensatz sei am 16. in Die Hagestolzen aufgetreten. Man habe sie herausgerufen. Herr Leißring aus Lemberg habe in den stillen Wassern gespielt. Herr Eckard aus Prag habe im Besuch und in Dienstpflicht gespielt. Als Besuch habe man es ihm verziehen. - Juni: Der Kastrat Crescentini spielte Alonzo e Cora von Mayr zu seinem Benefiz. Das Stück sei weniger wirkungsvoll gewesen als Romeo e Giulietta. Es folgen detaillierte Ausführungen zum Vertrag von Crescentini, der mehr als irgendein deutscher Künstler verdiene. Das Mißverständnis von Madame Weißenthurn sei nicht ohne Wirkung gewesen. Der rechte Weg sei nicht so erfolgreich gewesen. Deserteur und kindliche Liebe hätten gefallen. Die Verwiesenen auf Kamtschatka (der umgemodelte Benjowsky), eine recht artige Oper von Duval, Musik von Boieldieu, übersetzt von Treitschke, habe sehr gefallen. Das Haus habe gelärmt. Herr Demmer sei in dieser Oper aufgetreten und habe viel Beifall geerntet. Die Liebe in Spanien von Baron Bilderbeck habe ein mittelmäßiges Schicksal gehabt. Für den Namenstag des Vizedirektors studiere die Gesellschaft heimlich Henriette oder der Husarenraub. Heute trete ein junger Schauspieler namens Karschin auf, der von Staatsrat Faßbender empfohlen worden sei. Am 1. Juli würden die Ferien des Burgtheaters anfangen. Ludwig Porte und Konsorten würden das Kärntnertortheater weiterbespielen. Herr Brockmann sei sehr krank. Herr und Frau Roose würden während der Ferien in Breslau, Herr Klingmann in Grätz spielen. Herr Lange gehe seiner Vergnügungen wegen nach Oberösterreich. Herr Koch habe keinen Plan, denn wegen der Krankheit von Brockmann habe er keinen Urlaub erhalten. Die Anderen blieben in Wien. Herr Weidmann spiele im Theater an der Wien im Neusonntagskind, den Modesitten und Röschen und Collas. Das Geschäft, das Baron Braun in Polen übernehmen sollte, habe sich zerschlagen, wodurch er viel verliere, auch habe der Kaiser seinen jährlichen Zuschuss zum Hoftheater von 43 000 Florin der Kasse entzogen. Das Publikum würde sagen: ein Iffland, den man sehnlichst erwarte, hätte dem Theater ein neues Relief gegeben. Man sage, dass Iffland einen Ruf nach Petersburg für 5000 Rubel erhalten habe. Weitere Bemerkungen über S.s. Honorar für seine Berichte an I. Die Gebühr für die Kopie des Achilles habe S. noch nicht erhoben, weil er I.s Urteil über Moses abwarten wolle. Über die von I. aus Wien mitgenommenen Stücke Das Rendezvous und die Heurath aus Konvention habe I. sich nicht geäußert, so das S. annehme, sie taugten nichts. Auch über Karl der Kühne und Der zerrissene Brief habe I. geschwiegen. Jetzt schicke S. das Stück die Modepassion, das auf dem Hoftheater gegeben würde. Es sei ein kleines niedliches Stück nach der Folie du Jour von Boissy. Die beiden Teile des unruhigen Wanderers könne I. für 6 Dukaten haben. Auch sei eine Bearbeitung des Georg Barnwell zu haben. In Wien sei das Stück von der Zensur verboten, obwohl es unter Maria Theresia gegeben worden sei. Entschuldigung, dass S.s langer Brief, der nun ein Buch geworden sei, I. viel Zeit raube und ihn von den Musen und der Verwaltung des Theaters abhalte.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 2. August 1805. Freitag

S. dankt für I.s Brief vom 12. Juli, den er erst nach seiner Rückkehr von Ungarn, wohin er mit dem Charakterschauspieler Krüger gereist sei, erhalten habe. Sie hätten beide dort mit viel Vergnügen gespielt. I.s Wunsch, von Trübensee, Musiker der Kapelle des Fürsten Lichtenstein, die Oper Die Uniform zu kaufen, wolle er erfüllen. Die Oper komme mit dem nächsten Postwagen. S. habe auch einen Brief von Jacobi erhalten, der um Rechnungen nachfragt und sich zu Bezahlungsmodalitäten äußert. Über die Schwierigkeiten der verschiedenen Währungen. - Folgende Neuheiten seien an beiden Hoftheatern im Juli aufgeführt worden: 22.: Die Wilden, Oper von Sonnleithner, Musik von Dalayrac. Die Oper habe trotz des guten Spiels der Eigensatz nicht gefallen. - 25.: Zaire, heroische Oper, Musik von Federici. Die berühmte Sängerin Madame Bertinotti sei engagiert worden. Braun habe sie auf seiner Reise in Bologna engagiert. Bertinotti habe nicht gefallen. - 29.: La virtù premiata dell'amore, ein Schauspiel mit Gesang nach der Pamela des Goldoni, habe keine günstige Aufnahme gefunden. 30.: Die Oper Die Tage der Gefahr sei unter dem Dirigat von Cherubini persönlich aufgeführt. Cherubini sei mit lärmendem Beifall empfangen worden und die Oper habe gefallen. Braun habe Cherubini aus Paris mitgebracht, er solle zwei Opern schreiben. Braun soll Schauspieler aus Paris engagiert haben, auch die Tänzerin Madame Coralli und ihren Mann. Außerdem seien Pantomimen und Gladiatoren engagiert worden, welche sich in einem Kampfspiel im Zirkus (im Ballett Vologesus) zeigen werden. Sogar ein Bauchredner sei aufgenommen worden. Den Feuerfesten Mann aus Paris und den Wassertreter habe man leider nicht bekommen können. - Am 27. sei Braun angekommen. Die Einnahmen im Palais seien schlecht gewesen, mit Ausnahme der Opern Die Tage der Gefahr und Die gebesserte Eigensinnige. - Herr und Madame Coralli hätten mehr Gehalt als fünfzehn brauchbare Schauspieler. Bis auf Lange, der noch in Graz sei, seien nun alle Schauspieler zurück. Herr Koch und Madame Roose seien in Salzburg, Weidmann in Brünn gewesen. - Theater an der Wien, Juli: 3.: Swetards Zaubertal sei wegen der Dekorationen und dem Spektakel gut aufgenommen worden. - 6.: Der Bettelstudent mit Weidmann in der Hauptrolle. 9.: Der Kobold, wieder mit Weidmann. 29.: Theophana, ein Trauerspiel. Schikaneder befinde sich mit seiner Direktion wohl. Im Theater des Karl Hensler sei außer ein paar Pantomimen nur ein neues Singspiel gegeben worden: Die Berggeister. Das Werk habe nicht gefallen, man habe inzwischen schon so viele Geister gesehen. Das Lustspiel Diesmal meint er es so von Sonnleithner schicke S. mit der Oper. Am 7. und 8. Juli habe sich eine schreckliche Szene ereignet: Wegen der steigenden Lebensmittelpreise habe am 7. eine Menge Volk einen Bäckerladen gestürmt und Brot, Mehl, Semmeln, Möbel und Betten auf die Gasse geworfen. Daraufhin habe das Militär eingegriffen. Es habe 13 Tote und Hunderte Verletzte gegeben.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 3. September 1805. Dienstag

Im August seien an den Hoftheatern folgende neue Werke gespielt worden: 12.: Madame Koberwein aus Breslau sei im Stück Das Schmuckkästchen [= Die Stricknadeln] aufgetreten, sie habe nicht missfallen. 19.: Unbesonnenheiten, trotz des Spiels von Weidmann werde das Stück eines Unbekannten das Schicksal haben, gleich zu sterben. Wegen des Geldmangels nehme die Direktion jetzt Stücke von Studenten und anderen. Diese Ausgeburten würden dann nur einmal oder zweimal gespielt. 14.: Die Deutschen Kleinstädter. Die Koberwein habe mit Glück gespielt. 17.: Apollo als Hirt. Ballett von Gallet. Herr und Madame Coralli seien mit geteiltem Beifall aufgenommen worden. 19.: Der Ersatz mit Madame Koberwein. 24.: Die Jäger mit Madame Koberwein, die sehr gefallen habe. An diesem Tage habe sich der Theaterdiener Jakob Ostenrieder kurz vor der Probe von Die Jäger erschossen. Er sei verschuldet gewesen. 28.: Die heftige junge Frau von Sonnleithner. Der Baron habe La jeune femme colère in Paris gesehen und spreche mit Entzücken davon. Das Stück mache kein Glück. Man glaube, dass der deutsche Schauspieler in dem Konversationsstück das Runde, Gewandte, Belebende des französischen Schauspielers nicht besitze. Die deutsche und die italienische Oper haben bis 16. Ferien gehabt. -Theater an der Wien: 10.: Vestas Feuer, eine große Römische Oper von Schikaneder, Musik von Weigl. Das Werk habe gefallen und sei schon 14 Mal gegeben worden. Diese Oper und Swetards Zaubertal würden das Theater füllen. 22.: Das Mädchen als Husar. Große Pantomime. Man habe für dieses Werk viele Proben, die über acht Stunden gedauert hätten, gehalten. Man habe jedoch in Wien noch keine solch abscheuliche Absurdität auf ein regelmäßiges Theater gebracht. 15.: Das Fischermädchen von Neustadt von Stegmayer habe gefallen. - 27. und 28. Lodoiska, in diese von Cherubini dirigierte Oper habe man neue Gesangsstücke eingelegt. Allgemeiner Beifall. - 31.: Der Besuch nach dem Tode von Guttenberg habe sehr missfallen, offenbar mag solche Besuche keiner. - Im Leopoldstädtischen Theater: 2.: Der Mohr von Semegonda gefalle den Wienern. - 10.: Das Nixenreich werde sehr oft gegeben. - 29.: Telemach belustige die Wiener. - Es folgen Reflexionen über das Wiener Theater: Zu den Gagen von bestimmten Sängern und Cherubini, die mehr bekämen als die deutschen Schauspieler zusammen. Braun habe seinen Bruder Joseph als Stellvertreter ernannt, da Braun seine Güter beaufsichtigen müsse. Erwähnung von Sonnleithner, Brockmann, Leifer und Krüger. - Swetards Zaubertal könne I. für 9 Kreuzer haben. Lange habe in Graz sehr gefallen, Ballettmeister Gallet gehe ab.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 5. Oktober 1805. Samstag

In beiden Hoftheatern habe man folgende neue Stücke aufgeführt. September: 10.: Die Verläumder von Kotzebue. Bayer, Mitglied des Ständischen Theaters in Prag, sei zum ersten mal aufgetreten. - 13.: Verbrechen aus Eifersucht mit Lange. - 14.: Julius Sabinus (Giulio Sabino). Herr Crescentini, der voriges Jahr gefeiert worden sei, habe nicht gefallen. - 17.: Die Hausfreunde. S. füge den Theaterzettel bei, damit I. die Besetzung vor Augen habe. Die Herren Brockmann, Krüger, Koch und Leifer hätten vorzüglich gespielt. Das Stück sei innerhalb von 5 Tagen drei Mal gespielt worden. - 20.: Othello. Herr Bayer, der sehr mittelmäßig sei, habe den Othello gespielt. Lange, der sonst diese Rolle spiele, sei unübertrefflich. - 24.: Milton von Jouy und Dieulafoy, übersetzt von Treitschke, Musik von Spontini, habe gefallen. - 27.: I Temperamenti contrari, eine Farce mit Gesang, habe man nicht sonderlich goutiert. Aber der Tenorist Sommariva, der in dem Stück aufgetreten sei, habe sehr gefallen. - Im Theater an der Wien verdiene die Oper Palmer von Burin Erwähnung. Das Werk habe allgemein gefallen, die Eigensatz habe brilliert. S. könne die Oper für 8 Dukaten verschaffen. Des Weiteren sei die Operette Alexis von Dalayrac für 6 Dukaten, List und Zufall von Süßmayr für 8 Dukaten und Der Belagerer oder die Wildnis bey Florenz von Paër für 9 Dukaten zu haben. - In der Leopoldstadt habe man nichts von Bedeutung geben. Schikaneder sei mit der Oberdirektion in höchster Spannung. Kapellmeister Teyber sei nach Odessa, wohin er engagiert sei, abgereist. Brockmann habe seine Stelle als Regisseur und Repräsentant wegen der Installation von Baron von Brauns Bruder niedergelegt. Zitterbart werde, sagt man, den Prozess gegen die jetzige Direktion an der Wien gewinnen. Herr Klingmann reise nach Stuttgart, München und Frankfurt. - In Wien sehe es sehr kriegerisch aus. Das Militär sei fast ganz abmarschiert. In Schönbrunn werde alles zum Empfang des russischen Kaisers vorbereitet. Der österreichische Kaiser reise bald nach Ungarn zum Landtag. - Madame Weißenthurn warte auf Antwort.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 4. November 1805. Montag

S. hoffe, dass I. die Oper Die Uniform und den Hoftheaterkalender für kommendes Jahr bekommen habe. Von Arnstein komme ein Wechsel über 8 Dukaten. 6 Dukaten bekomme S. für die Monate Juli bis November, 2 Dukaten für Auslagen. - Auf den Hoftheatern habe es im Oktober folgende Neuheiten gegeben: 4.: Friedrich von Österreich von Hormayr, Verfasser der Schrift: Wer ist der angreifende Theil, Österreich oder Frankreich. Das Stück sei ein historisches Gemälde und habe gefallen. Lange und Koch seien herausragend gewesen. - 15.: Das Mädchen aus Sibirien, von dem Verfasser des Stücks Der Korb. Das neue Stück habe keinen Erfolg gehabt und sei nur wenige Male gegeben worden. 23. Il Podesta di Chioggia. Die komische Oper von Orlandini habe nicht gefallen. Überhaupt scheine die italienische Oper die Zeiten ihres ehemaligen Glanzes verloren zu haben. 26.: Die Gartenmauer, Lustpiel von Sonnleithner. Die Idee des Stücks, das ein paar artige Szenen habe, sei nicht neu. - Im Theater an der Wien: 12.: Minna und Peru, Oper von Schikaneder. Das Stück sei nur einmal aufgeführt worden. Schikaneders Produkte hätten so ziemlich alle das Schicksal, in die alte Rüstkammer zur Ruhe verwiesen und als seltene Aktenstücke aufbewahrt zu werden. Das seien alle Neuigkeiten. Palmer gefalle weiterhin. Die Einnahme seien auf der Wieden schlecht und die Oberdirektion mit Schikaneder unzufrieden, die Spannung sei aufs Höchste gestiegen. Auslassungen über die Verwaltung und Ökonomie des Theaters an der Wien. - Leopoldstädtisches Theater: 4.: Martin Metz, Schlossergell von Wien. Das Stück habe wegen seiner Lokalität und wegen des Patriotismus gefallen. - 14.: Der Wachtmeister habe missfallen. - 23.: Antiope und Telemach. Der Verfasser habe es nur auf das österreichische Publikum abgesehen. I. sehe, dass das Wiener Theater brachliege. S. habe die Aufführung von Kotzebues Die Organe des Gehirns im Hoftheater vergessen. Man sagt, dass man kein Feind Kotzebues seien dürfe, wenn er seine Freunde so schlecht behandle. Kotzebue soll noch vor Kurzem ein Lobredner von Gall gewesen sein. Das Stück habe gefallen, Koch habe gut gespielt. Klingemanns Reise nach München, Stuttgart und Frankfurt dürfte bei den jetzigen Ereignissen nicht ergiebig werden. Ziegler habe die Regie aufgegeben. Brockmanns Resignation mache bei der Direktion Sensation. Die österreichische Armee habe bei Ulm ein unglückliches Schicksal erfahren. Man baue nun auf die Russen und Preußen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 2. Januar 1806. Donnerstag

An den Hoftheatern seien im Dezember 1805 folgende neue Stücke aufgeführt: 4.: Der Ring von Schröder. Brockmann habe den Grafen gespielt. Selbst die der Sprache unkundigen Franzosen seien über sein Spiel entzückt gewesen. - 19.: Die Entzifferung, Oper von Salieri. Die Oper und die Sängerin Marconi hätten nicht gefallen. 29.: Hamlet. Ein gewisser Koch aus Salzburg habe als Gastrolle den Hamlet gespielt und sei schon vergessen. - Theater an der Wien: 4.: Der Becher Eis, komische Oper aus dem Französischen. Das Stück sei ganz durchgefallen. - Laura. Schauspiel, das Stück sei ebenfalls durchgefallen. - 31.: Die Halskette, Lustspiel, das Stück sei auch durchgefallen. - Leopoldstädtisches Theater: 6.: Wer das Glück hat, führt die Braut nach Hause, Oper. Das Stück habe keine Wirkung gemacht. 17.: Der Doppelpapa, Lustspiel. Es sei ebenfalls ohne Wirkung geblieben. - 20.: Der Alte vom kahlen Berge. Die Zeit der Märchen und Volkssagen scheine auf das Volk keine Wirkung mehr zu machen, da es von dem Druck der wirklichen Gegenwart niedergebeugt werde. - I. sehe, dass die Ausbeute sehr gering sei. Als der Kaiser erfahren habe, dass das Ballett entlassen sei, habe er befohlen, es wieder einzustellen. Auch die italienische Oper, da es das vaterländische Spektakel des Hofes sei, werde vermutlich bleiben. Crescentini und Bianca von der italienischen Oper seien von Napoleon, bei dem sie mehrmals in Schönbrunn gewesen seien, nach Paris engagiert. Crescentini werde als Kammersänger des Kaisers 300000 Franken erhalten. Mademoiselle Eigensatz verlasse das Theater und heirate einen polnischen Grafen. Es folgen Äußerungen über die Schauspieler Koch und Klingmann. - Weil der Erzherzog Karl keine Lebensmittel nach Wien habe lassen wollen, sei Napoleon aufgebracht. Nun würden alle aus Angst vor dem Ausbruch neuer Feindseligkeiten zittern. Der Mangel werde jeden Tag sichtbarer, die Verteurung der Lebensmittel enorm. Die Bedingungen des Friedens seien schrecklich. Tirol, die veneziatischen Staaten, Dalmatien, Vorderösterreich und Breisgau seien verloren. Bayern und Württemberg würden Königreiche werden. Die Russen hätten bei Austerlitz ihre Pflicht nicht getan.

Von Friedrich Karl Sannens. Berlin, 2. Februar 1806. Sonntag

I. werde Claudine, die Oper Milton, die Musik des Traums in Richard Löwenherz und den Theaterzettel von I.s Der Oheim erhalten haben. Im Januar seien folgende Stücke auf den Hoftheatern aufgeführt worden: 4.: Der Oheim (Die Seelenwanderung). Die Kenner des feinen Geschmacks hätten auch dieses Mal dem großen Menschen-Maler gedankt für das reine Vergnügen. - 10.: Weltton und Herzensgüte von Ziegler habe nicht gefallen. - 14.: Fridolin von Holbein nach Schiller. Das holprige Produkt habe gefallen. - 17.: Das Singspiel an den Fenstern, nach dem Französischen von Treitschke, Musik von Niccolò. Treitschke habe gesagt, dass er I. das Buch schon geschickt habe. - 27.: Claudine, Schauspiel von Pigault-Lebrun, übersetzt von Sonnleithner. - 29.: Amor non ha ritegno, von Kapellmeister Mayr. Die Zeit der italienischen Opern sei vorbei. - Am 12. seien die Franzosen bis auf die Kranken und Blasierten abgereist. Am Tag darauf habe man das Schauspiel Der Tag der Erlösung gegeben, was man sehr analog gefunden habe. - 16.: Der Kaiser sei unter allgemeinem Jubel in Wien angekommen. - Crescentini sei nach Paris abgereist. - Die Theater seien jetzt gut besucht. Klingmann sei zurück von seiner Reise. - Im Theater an der Wien seien folgende Stücke im Januar 1806 aufgeführt worden: 11.: List und Zufall. Diese Oper sei erschienen, um auf immer zu verschwinden. - 29.: Albrecht der Streitbare. Dieses Schauspiel von Stegmeyer habe etwas Sensation gemacht. - Auf dem Theater an der Wien gebe man nichts von Bedeutung. In der Leopoldstadt seien folgende neue Stücke gegeben worden: 11.: Eins und Drey, komische Oper, habe nicht gefallen. - 18.: Es ist Friede. Diese patriotische Ergießung gefalle sehr.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 3. März 1806. Montag

I. werde S.s Brief vom 2. mit der Claudine und dem Januarbericht erhalten haben. - Neuheiten der Hoftheater im Februar: 6.: Das verlorene Kind von Kotzebue. Das Stück sei aufgeführt worden, weil es gedruckt sei und also nichts gekostet habe. Obwohl Brockmann gespielt habe, habe das Publikum das Stück für einen untergeschobenen Wechselbalg gehalten. - 17.: Die Schule der Frauen, Lustspiel von Kotzebue nach Molière, getreu und frei übersetzt. Man habe schon über die Worte getreu und frei lachen müssen. Trotzdem Koch den Arnulph mit ganzer Kunst gespielt habe, sei das Stück durchgefallen, weil man es pöbelhaft und possenhaft gefunden habe. - 25.: Faniska, eine große Oper in drei Akten von Sonnleithner und Cherubini. Die Oper habe wegen der vielen neuen musikalischen Gedanken gefallen. Heute sei die dritte Vorstellung, deren Einnahme Cherubini erhalten werde. S. schicke demnächst das Buch. Die Italiener seien nach dem Karneval gegangen, das Ballett komme wieder. Durch die italienische Oper spare Braun jährlich 4000 Florin. Jetzt gebe es in beiden Hoftheatern deutsches Schauspiel und deutsche Oper im Wechsel. - Nun heiße es, im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen. - Die Epidemie greife täglich mehr um sich und man habe täglich mehr als 100 Tote. Die Russen würden das Nervenfieber verbreiteten. Auf dem Lande und in Ungarn sei es noch viel schlimmer. Besonders arme Leute und das Militär würden sterben. Auch am Theater seien viele krank, so der Baron und Lange. - Im Theater an der Wien habe man im Februar folgende neue Stücke gegeben: 3.: Sargines, Oper von Paër, übersetzt von Weigl. Dass diese meisterhafte Musik so wenig Wirkung gemacht habe, habe an der Lausigkeit gelegen, mit der in diesem Theater alles gegeben werde, und daran, dass man aus Ökonomie keine pompösen Dekorationen mache. - 9.: Die Schwestern von Prag. Baumann vom Hoftheater sei darin mit Beifall aufgetreten. Die Kasse habe 1700 Florin eingenommen und man habe das Stück inzwischen schon fünfmal vor vollem Haus gespielt. - 15.: Die Eisenkönigin, Zauberoper von Schikaneder, habe wenig Glück gemacht. Schikaneder gebe am 19. seine letzte Vorstellung, verkaufe sein Haus in Nußdorf und gehe nach Bayern. - Im Leopoldstädtischen Theater habe man im Februar folgende Stücke gegeben: 4.: Dämona, ein Feenmärchen mit Gesang. Das Stück gefalle sehr. - 24.: Johanna von Montfaucon. Der Zulauf sei groß gewesen, die Kasse und das Publikum hätten sich gut befunden. - Alle Verehrer I.s würden den wärmsten Anteil an der Auszeichnung nehmen, die I. von Alexander widerfahren sei, indem dieser I. einen Ring von so großem Wert geschenkt habe. Man schätze an Alexander, dass er große Verdienste zu würdigen wisse. - Carolus Magnus, der zweite Teil von Die Deutschen Kleinstädter, sei hier angekommen, werde aber nicht aufgeführt, weil es ganz Posse von der niedrigsten Art sei.

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