Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 2. Januar 1806. Donnerstag

An den Hoftheatern seien im Dezember 1805 folgende neue Stücke aufgeführt: 4.: Der Ring von Schröder. Brockmann habe den Grafen gespielt. Selbst die der Sprache unkundigen Franzosen seien über sein Spiel entzückt gewesen. - 19.: Die Entzifferung, Oper von Salieri. Die Oper und die Sängerin Marconi hätten nicht gefallen. 29.: Hamlet. Ein gewisser Koch aus Salzburg habe als Gastrolle den Hamlet gespielt und sei schon vergessen. - Theater an der Wien: 4.: Der Becher Eis, komische Oper aus dem Französischen. Das Stück sei ganz durchgefallen. - Laura. Schauspiel, das Stück sei ebenfalls durchgefallen. - 31.: Die Halskette, Lustspiel, das Stück sei auch durchgefallen. - Leopoldstädtisches Theater: 6.: Wer das Glück hat, führt die Braut nach Hause, Oper. Das Stück habe keine Wirkung gemacht. 17.: Der Doppelpapa, Lustspiel. Es sei ebenfalls ohne Wirkung geblieben. - 20.: Der Alte vom kahlen Berge. Die Zeit der Märchen und Volkssagen scheine auf das Volk keine Wirkung mehr zu machen, da es von dem Druck der wirklichen Gegenwart niedergebeugt werde. - I. sehe, dass die Ausbeute sehr gering sei. Als der Kaiser erfahren habe, dass das Ballett entlassen sei, habe er befohlen, es wieder einzustellen. Auch die italienische Oper, da es das vaterländische Spektakel des Hofes sei, werde vermutlich bleiben. Crescentini und Bianca von der italienischen Oper seien von Napoleon, bei dem sie mehrmals in Schönbrunn gewesen seien, nach Paris engagiert. Crescentini werde als Kammersänger des Kaisers 300000 Franken erhalten. Mademoiselle Eigensatz verlasse das Theater und heirate einen polnischen Grafen. Es folgen Äußerungen über die Schauspieler Koch und Klingmann. - Weil der Erzherzog Karl keine Lebensmittel nach Wien habe lassen wollen, sei Napoleon aufgebracht. Nun würden alle aus Angst vor dem Ausbruch neuer Feindseligkeiten zittern. Der Mangel werde jeden Tag sichtbarer, die Verteurung der Lebensmittel enorm. Die Bedingungen des Friedens seien schrecklich. Tirol, die veneziatischen Staaten, Dalmatien, Vorderösterreich und Breisgau seien verloren. Bayern und Württemberg würden Königreiche werden. Die Russen hätten bei Austerlitz ihre Pflicht nicht getan.

Von Friedrich Karl Sannens. Berlin, 2. Februar 1806. Sonntag

I. werde Claudine, die Oper Milton, die Musik des Traums in Richard Löwenherz und den Theaterzettel von I.s Der Oheim erhalten haben. Im Januar seien folgende Stücke auf den Hoftheatern aufgeführt worden: 4.: Der Oheim (Die Seelenwanderung). Die Kenner des feinen Geschmacks hätten auch dieses Mal dem großen Menschen-Maler gedankt für das reine Vergnügen. - 10.: Weltton und Herzensgüte von Ziegler habe nicht gefallen. - 14.: Fridolin von Holbein nach Schiller. Das holprige Produkt habe gefallen. - 17.: Das Singspiel an den Fenstern, nach dem Französischen von Treitschke, Musik von Niccolò. Treitschke habe gesagt, dass er I. das Buch schon geschickt habe. - 27.: Claudine, Schauspiel von Pigault-Lebrun, übersetzt von Sonnleithner. - 29.: Amor non ha ritegno, von Kapellmeister Mayr. Die Zeit der italienischen Opern sei vorbei. - Am 12. seien die Franzosen bis auf die Kranken und Blasierten abgereist. Am Tag darauf habe man das Schauspiel Der Tag der Erlösung gegeben, was man sehr analog gefunden habe. - 16.: Der Kaiser sei unter allgemeinem Jubel in Wien angekommen. - Crescentini sei nach Paris abgereist. - Die Theater seien jetzt gut besucht. Klingmann sei zurück von seiner Reise. - Im Theater an der Wien seien folgende Stücke im Januar 1806 aufgeführt worden: 11.: List und Zufall. Diese Oper sei erschienen, um auf immer zu verschwinden. - 29.: Albrecht der Streitbare. Dieses Schauspiel von Stegmeyer habe etwas Sensation gemacht. - Auf dem Theater an der Wien gebe man nichts von Bedeutung. In der Leopoldstadt seien folgende neue Stücke gegeben worden: 11.: Eins und Drey, komische Oper, habe nicht gefallen. - 18.: Es ist Friede. Diese patriotische Ergießung gefalle sehr.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 3. März 1806. Montag

I. werde S.s Brief vom 2. mit der Claudine und dem Januarbericht erhalten haben. - Neuheiten der Hoftheater im Februar: 6.: Das verlorene Kind von Kotzebue. Das Stück sei aufgeführt worden, weil es gedruckt sei und also nichts gekostet habe. Obwohl Brockmann gespielt habe, habe das Publikum das Stück für einen untergeschobenen Wechselbalg gehalten. - 17.: Die Schule der Frauen, Lustspiel von Kotzebue nach Molière, getreu und frei übersetzt. Man habe schon über die Worte getreu und frei lachen müssen. Trotzdem Koch den Arnulph mit ganzer Kunst gespielt habe, sei das Stück durchgefallen, weil man es pöbelhaft und possenhaft gefunden habe. - 25.: Faniska, eine große Oper in drei Akten von Sonnleithner und Cherubini. Die Oper habe wegen der vielen neuen musikalischen Gedanken gefallen. Heute sei die dritte Vorstellung, deren Einnahme Cherubini erhalten werde. S. schicke demnächst das Buch. Die Italiener seien nach dem Karneval gegangen, das Ballett komme wieder. Durch die italienische Oper spare Braun jährlich 4000 Florin. Jetzt gebe es in beiden Hoftheatern deutsches Schauspiel und deutsche Oper im Wechsel. - Nun heiße es, im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen. - Die Epidemie greife täglich mehr um sich und man habe täglich mehr als 100 Tote. Die Russen würden das Nervenfieber verbreiteten. Auf dem Lande und in Ungarn sei es noch viel schlimmer. Besonders arme Leute und das Militär würden sterben. Auch am Theater seien viele krank, so der Baron und Lange. - Im Theater an der Wien habe man im Februar folgende neue Stücke gegeben: 3.: Sargines, Oper von Paër, übersetzt von Weigl. Dass diese meisterhafte Musik so wenig Wirkung gemacht habe, habe an der Lausigkeit gelegen, mit der in diesem Theater alles gegeben werde, und daran, dass man aus Ökonomie keine pompösen Dekorationen mache. - 9.: Die Schwestern von Prag. Baumann vom Hoftheater sei darin mit Beifall aufgetreten. Die Kasse habe 1700 Florin eingenommen und man habe das Stück inzwischen schon fünfmal vor vollem Haus gespielt. - 15.: Die Eisenkönigin, Zauberoper von Schikaneder, habe wenig Glück gemacht. Schikaneder gebe am 19. seine letzte Vorstellung, verkaufe sein Haus in Nußdorf und gehe nach Bayern. - Im Leopoldstädtischen Theater habe man im Februar folgende Stücke gegeben: 4.: Dämona, ein Feenmärchen mit Gesang. Das Stück gefalle sehr. - 24.: Johanna von Montfaucon. Der Zulauf sei groß gewesen, die Kasse und das Publikum hätten sich gut befunden. - Alle Verehrer I.s würden den wärmsten Anteil an der Auszeichnung nehmen, die I. von Alexander widerfahren sei, indem dieser I. einen Ring von so großem Wert geschenkt habe. Man schätze an Alexander, dass er große Verdienste zu würdigen wisse. - Carolus Magnus, der zweite Teil von Die Deutschen Kleinstädter, sei hier angekommen, werde aber nicht aufgeführt, weil es ganz Posse von der niedrigsten Art sei.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 8. Mai 1806. Donnerstag

Nach der vierzehntägigen Osterpause seien die Theater mit Das Schreibepult, Die gefährliche Nachbarschaft und dem Ballett Paul und Rosette eröffnet worden. Diese unbegreifliche Lauigkeit habe das Publikum übel aufgenommen. Im April habe es in beiden Hoftheatern folgende Neuigkeiten gegeben: 14.: Der Botaniker, Lustspiel aus dem Französischen des Dupaty von Sonnleithner. Das Stück habe wegen der delikaten Behandlung und der guten Aufführung mit Koch und Krüger gefallen. - 22.: Wer Herzen behält, hat nichts verloren, Schauspiel von Weißenthurn. Das Stück sei eine gut gemeinte patriotische Deklamation, um den Souverän über seinen Verlust zu trösten. - Im Theater an der Wien: 21.: Olane, ein großes heroisch-romantisches Gemälde aus den Zeiten Alexanders des Großen von Guttenberg. Der Verfasser sei ehemals Hofdichter in München gewesen. Das Stück habe gänzlich missfallen und nur Form bekommen, weil Klingmann und Hruschka darin gespielt hätten. - Madame Roose wolle jetzt auch im Theater an der Wien spielen. Schikaneder privatisiere in Nußdorf. - Leopoldstädtisches Theater: 17.: Die eiserne Jungfrau, Märchen mit Gesang von Alois Gleich, Musik von Kauer. Das Stück habe gefallen. Es seien also nur vier neue Stück in allen vier Theatern herausgekommen. - Zieglers Stück Das Mädchen von Wien habe die Zensur verboten. - Die erste Tänzerin Decaro habe Wien verlassen. Nächsten würden Die Weihnachtsfeyer von Schmidt und Blinde Liebe von Kotzebue gegeben. Krüger wolle an I. schreiben, denn er beabsichtige in seiner Vaterstadt einige Gastrollen zu geben.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 4. Juni 1806. Mittwoch

S. schicke drei Stücke, zwei gedruckte Opern (Das Singspiel an den Fenstern, Die Festung an der Elbe) und das Lustspiel Die Braut durch Bestellung als Manuskript . Es sei ein Preisstück des hiesigen Hoftheaters, werde nach den Ferien gegeben werden . Der Verfasser wünsche sehr, dass es in Berlin aufgeführt werde. Der Verfasser wünsche, dass I. die Rolle des Schellenberg spiele, in Wien werde Koch die Rolle übernehmen. - Folgende Neuheiten seien im Mai auf den Hoftheatern gegeben worden: 3.: Die besondere Familieneigenschaft, Lustspiel nach dem Französischen von Graf Pálffy. Das langweilige Geträtsche sei nur ein paarmal aufgeführt worden. Der Graf sei Aktionär und Mitdirektor der künftigen Theaterregierung. - 7.: Herr Großmann aus Schwerin sei in der Schachmaschine als Graf Balken ohne Glück aufgetreten. - 13.: Idomeneus, König von Kreta, Musik von Mozart, Text von Treitschke. Die Oper habe trotz des großen Namens keine sonderliche Aufnahme gefunden. - 28.: Die Weihnachtsfeyer von Schmidt habe gute Wirkung gemacht, wozu freilich das Spiel viel beigetragen habe. - Theater an der Wien: 3. Die Festung an der Elbe, Oper nach dem Französischen von Castelli mit Musik von Fischer, der Komponist dieses Theaters sei. Es sei eine recht artige Oper mit guter Musik. - 14.: Der Perückenmacher, Posse von Hasenhut, Musik von Eulenstein. Der hier so beliebte Thaddädel habe als Verfasser und als Perückenmacherjunge nicht verhindern können, dass die Oper übel weggekommen sei. - 20.: Klingmann sei bei vollem Haus mit Beifall als Albrecht aufgetreten. -27.: Marina, Königin der Amazonen von Holbein, Musik von Gyrowetz. Roose sei als Marina mit Beifall aufgetreten. Das Melodram habe man jedoch sehr langweilig und schleppend gefunden. - Ausführungen über Engagement und Gage der Schauspielerin Roose. - Madame Holbein, die Gräfin von Lichtenau, sei auf dem Weg nach Wien gewesen, sei aber dann wieder zurückgereist, weil sie von der Conduite ihres Mannes Dinge erfahren habe, die sie nicht erwartet habe. Holbein sei jetzt in Graz, wo er Gastrollen gegeben habe. - Der Verkauf der Theater sei noch nicht abgeschlossen. Braun erhalte lebenslang 4000 Florin jährlich. Der Bruder des Barons werde mit 5000 Florin jährlich beim Theater angestellt. Sekretär Sonnleithner werde übernommen. Koberwein und seine Frau gingen nach München, Stuttgart und Frankfurt, Lange und Weidmann nach Gratz, Koch wieder nach Regensburg und Krüger wolle nach Berlin gehen, wohin S. ihn gern begleiten wolle. Im Theater in der Leopoldstadt habe in diesem Monat nichts gefallen. Der Mohr von Wien, eine Parodie von Der Mohr von Venedig, eigne sich nicht für das Berliner Theater.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 5. Juli 1806. Samstag

S. habe I.s Brief vom 19. erhalten und habe Folgendes darauf zu sagen: die Notizen vom Leopoldstädter Theater besorge Herr Hensler, der noch immer Direktor sei und sich wohl befinde. Hensler lasse I. grüßen. Über die Hoftheater werde S. weiterhin berichten. Jedoch könne er nicht mehr ins Detail gehen, weil sich S. mit artistischen wie auch mit ökonomischen Einzelheiten weder bei der hiesigen Direktion noch bei der Polizei empfehlen würde. Man dürfe über die Direktion der Hoftheater nicht schreiben, ohne es ihr vorher mitzuteilen. Des Weiteren bestehe eine Regierungsverordnung, dass man selbst einen Kaufmannsbrief von der Polizei zensieren lassen müsse. I. möge nicht glauben, dass sie hier wie in Spanien unter Kardinal Jiménez lebten. - Neuheiten in den Hoftheatern im Juni: 10.: Die heimliche Ehe nach Il matrimonio segreto von Cimarosa. So sehr damals das Original gefallen habe, so sehr habe die modernisierte Gestalt missfallen. - 11.: Die Überlisteten. Das Lustspiel nach dem Französischen des Belin habe das Schicksal der Oper gehabt. 21.: Prüfung der Treue von Lafontaine habe sehr gefallen und wurde dreimal bei vollem Hause gespielt. 28.: Die vier Vormünder, Lustspiel oder besser Burleske aus dem Englischen. Das Stück habe gänzlich missfallen und man habe sogar gefürchtet, es nicht zu Ende spielen zu können. Es sei zum Namenstag von Braun gespielt worden. - Im Theater an der Wien habe man im Juni folgende neue Stücke gegeben: Der Schauspieler wider Willen, Lustspiel von Kotzebue, für dieses Theater von Duprée eingerichtet, worin der Bearbeiter neun Rollen spiele. Das Stück sei wenig goutiert worden. 28.: Die Neger auf Domingo vom Maler Ahrbeck, worin Madame Roose, Herr Klingmann und Madame Hruschka aufgetreten seien. Das Stück habe missfallen.- Mademoiselle Lange, Tochter des Schauspielers Lange, habe zum ersten Mal die Bühne als Zerlina im Don Juan betreten. Sie habe sehr gefallen, sei aber nicht engagiert worden. Lange habe das Lumpenhonorar zurückgewiesen. Folgende Schauspieler seien verreist: Herr Lange nach Graz, wo Roose vor einigen Wochen auch gewesen sei. Bernhard sei nach Ofen gegangen, Korn mit seiner Frau nach Prag, Koberwein mit seiner Frau nach Frankfurt, Ziegler nach Ungarn und Koch nach Stuttgart, wo der König einen Direktor fürs Theater suche. Der berühmte Dekorationsmaler Platzer sei gestorben. - Vor ein paar Tagen sei die neue Oper Das Admiral-Schiff gegeben worden. Treitschke sei in den Kulissen während dieser Vorstellung verletzt worden. Schikaneder verkaufe sein Gut in Nußdorf und gehe nach Augsburg, wo ihm der König eine Kirche und das Gebäude eines aufgehobenen Kloster schenken wolle, um daraus ein Theater zu bauen. - Ausführungen über den Verkauf der Hoftheater unter Erwähnung von Baron Braun, Sonnleithner, Pfersmann, Baron von Böck, Herrn von Röhrl [?], Herrn Escherich und den sieben Kavalieren. Über das Theater in der Leopoldstadt mache S. keine Ausführungen, sondern füge eine Stückliste bei. S. bitte um Entscheidung in Betreff des Stücks Die Braut durch Bestellung.

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