Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 19. September 1803. Montag

I.s Vorschlag sei schmeichelhaft und S. nehme ihn an. S. wolle ein genaues Verzeichnis von dem, was seit etwa anderthalb Jahren auf den Wiener Theatern mit Beifall gegeben worden sei, berichten. I. werde sehen, dass der Herr Zitterbart an der Wien mit seinen Opern dem Hoftheater gewaltig auf die Ferse trete und dass in der Leopoldstadt nichts Erhebliches gegeben worden sei. Die Ursache liege darin, dass nach dem Tode Marinellis niemand das Theater zu führen verstanden habe. Vor einem Monat sei es an Hensler verpachtet worden. Auf der Wieden sei Beschort aus Berlin in Armuth und Edelsinn zweimal mit großem Beifall aufgetreten. Man sage, Herr Zitterbart habe Beschort Anträge gemacht, mehrere Rollen zu spielen. Der Sänger Simoni komme wieder zur Italienischen Oper des Hoftheaters. Caché sei für die Lippert'schen Rollen am Hoftheater engagiert worden. Der bekannte Thaddädel Hasenhut beziehe bei Zitterbart sehr viel Gehalt. - Zum Hoftheater: Klingmann wolle zu Zitterbart, wenn Baron von Braun Klingmanns Forderungen nicht erfülle. Brockmann sei wieder gesund in Wien angekommen. Er sei entzückt über die ausgezeichnete Aufnahme in Berlin. Brockmann sei zuerst wieder im Regulus mit Beifall aufgetreten. Braun habe das Hoftheater für 12 Jahr mit unumschränkter Gewalt wieder erhalten. Die Freibillets sollen abgeschafft werden. Polyxenia, die neue griechische Tragödie von Collin, werde einstudiert und soll am Namenstag der Kaiserin gegeben werden. Am Namenstag des Kaisers werde Die Deutsche Familie, Bearbeitung des Romans Lorenz Stark von Engel, gegeben. Von Kotzebue gebe es das Trauerspiel Eduard in Schottland nach Duval. Kotzebue sei jetzt in Paris und wolle nach London gehen. Gerüchte und Witze über Kotzebue.- S. schicke weder Opern noch Bücher, weil er das Berliner Repertoire nicht kenne. I. möge sagen, was er wolle. Fragt, ob die Pakete durch das Arnsteinische Haus an Itzig in Berlin besorgt werden sollen. Es folgt eine mit Bewertungen versehene Auflistung von Stücken, die an folgenden Theatern gespielt wurden: Theater an der Wien, Hoftheater, Theater in der Leopoldstadt.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 30. Oktober 1803. Sonntag

Mit dem nächsten Postwagen erhalte I. das in der Beilage Verzeichnete. Das Sternenmädchen (leider nur den ersten Akt, weil der Kopist nicht fertig wurde). Das Stück koste 54 Florin. Moses von Süßmayr schicke S. samt Musik, damit I. selbst entscheiden könne. Das Stück koste ebenfalls 54 Florin. Der wohltäthige Derwisch (Manuskript), Die beiden Füchse (gedruckt), Die Haarlocke (gedruckt). Das Waldweibchen (gedruckt), bei Marinelli mit Beifall aufgeführt, schicke er ebenfalls zur Prüfung. Achilles (Manuskript). Ferner schicke S. den neuen Hoftheater-Almanach. Als eine kleine Attraktion: von mir Karl der Kühne überlasse S. zur beliebigen Disposition ohne Verbindlichkeit. S. habe dieses Stück vor Erscheinen der Johanna von Montfaucon geschrieben. S. habe es Kotzebue zum Lesen gegeben. Die Brüder als Nebenbuhler seien nicht abgeschrieben. Die Musik sei gut, das Buch aber schlecht. Die beyden Gefangenen seien beim Kopisten. S. habe gehört, dass Roose das kleine Stück Das war ich schon an I. geschickt habe. S. habe mit Treitschke gesprochen und dieser habe gesagt, das zweite Kapitel abgeschickt zu haben. In Zukunft wolle Treitschke seine Sachen durch S. versenden lassen. - Aufzählung verschiedener Stückte und deren Preise. - Die Haarlocke und den Pächter Robert habe er jüngst an der Wien mit sehr viel Beifall gesehen. Robert sei eine allerliebste Oper, die Musik sei von Lebrun, der Text von Seyfried übersetzt. Die Neuheiten im Hoftheater seien: Der Portugiesische Gasthof, aus dem Französischen von Treitschke, Musik von Cherubini. Diese Oper mache kein besonderes Glück. Die Oper sei eine Jugendarbeit von Cherubini. Morgen werde Der Onkel in Livree gegeben. Die Übersetzung sei von Treitschke, die Musik von Della Maria. S. schicke das Buch. - S. habe laut I.s Anweisung von Arnstein 100 Florin erhoben. - Ferner wurde vor einigen Tagen gegeben: Die Abentheuer auf Extrapost. Das Lustspiel mache kein Glück. Auf I.s Frage, ob Wien I. sehen wolle, antworte S. aufrichtig: Ganz Wien wünsche, I. zu sehen und zu bewundern. S. kenne keinen Wiener mit Geschmack und Bildung, der sich nicht mit Entzücken an den ersten dramatischen Künstler Deutschlands erinnere. Baron von Braun habe S. gesagt, es hänge nur von I. ab, in Wien zu spielen. - Polyxenia sei mit Pracht gegeben worden, habe aber nicht gefallen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 8. Januar 1804. Sonntag

Aus I.s Stillschweigen schließe S., dass I. die geschickten Sachen nicht erhalten habe oder mit S. unzufrieden sei. I. möge schreiben, ob er Moses behalten wolle und wie I.s Entschluss in Betreff der anderen geschickten Stücke ausfalle. Das Stück Der unruhige Wanderer könne S. für 90 Florin haben. S. habe dafür gesorgt, dass I. in Zukunft mit allen Neuheiten sogleich bedient werde. Beim deutschen K.K. Hoftheater wurde seit S.s. erstem Brief an I. nichts Neues gegeben, was Erwähnung verdiene. Das letzte Stück war Kotzebues Der todte Neffe, dem das Schicksal widerfuhr, das es verdient habe. S. schicke vier Bücher mit beliebten Opern, die alle im Theater an der Wien mit Erfolg gegeben worden seien und neu seien: Der Onkel in Livree, der am Hoftheater nicht, bei Zitterbart jedoch gefalle. Der Pachter Robert, Johanna und Die Gefangenen. - Dem Baron von Braun sei das Theater vom Hof noch nicht für die Zukunft zugesichert worden. Die Pachtung der Zölle in Galizien sei ihm nicht bewilligt worden. Sein Gegner, Graf Montalban, sei wegen Hochverrats dem Kriminalgericht übergeben worden. Die Baronin Natorp, deren Mann einen Bankrotte von einigen Millionen gemacht habe, sei gestern unter dem Namen Madame Mariana Sessi in Axur mit Beifall aufgetreten. Über Auftritte von Korntheuer. Herr Klingmann sei für künftiges Jahr bei Zitterbart engagiert. Brockmann sei seit zwei Monaten ohne Hoffnung auf Besserung krank. Lange habe das Gehör verloren. Mad. Adamberger werde an Lungesucht sterben. - Glückwünsche zum Neuen Jahr.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 24. Februar 1804. Freitag

I.s Schweigen besorge S., die Aufträge nicht zur Zufriedenheit erfüllt zu haben. Doch die Wichtigkeit der vorgefallenen Veränderungen möge S.s gegenwärtiges Schreiben entschuldigen. Am. 9. Februar sei die gesamte Deutsche Gesellschaft zu Herrn Viezedirektor Baron von Braun bestellt worden. Braun habe ihnen mitgeteilt, dass der Hof Braun das Theater mit weitreichenden Vollmachten für 15 Jahre überlassen habe. Die Inspizienten seien: Lange, Brockmann, Weidmann, Klingmann, Koch, Roose, Ziegler und Koberwein. Ihre Aufgaben seien: Austeilung der Rollen, Bestimmung der Sitzungen und Proben, Besorgung des ordentlichen Gangs der Stücke und Anordnung der Garderobe. Für Schreyvogel sei ein gewisser Sonnleithner bestimmt, welcher auch das Theaterprotokoll zu führen habe. In Betreff des Honorars sei festgelegt worden, das Ensemble in zwei Klassen zu teilen. Die erste Klasse, zu der auch die 8 Inspizienten gehörten, erhalte für jede Rolle 2 Florin, die zweite Klasse 1 Florin Remuneration. Das betreffe aber nur Mitglieder, die schon drei Jahre engagiert seien. Weitere Details zum Honorar. - Der Eintritt des Hoftheaters solle um einen Drittel erhöht werden. Am 11. Februar habe Baron von Braun von Zitterbart das Theater an der Wien für eine Million gekauft. Es sei kein Hoftheater, sondern gehöre allein Braun. Die Zettel seien noch nicht verändert, es heiße weiter privilegiertes Theater an der Wien. Sonnleithner sei Direktor dieses Theaters. Braun sei zum K. K. Hofkommissar ernannt worden, um die Zölle in Galizien zu regulieren. Madame Nouseul sei gestorben. Brockmann sei genesen und in Die beiden Klingsberge und im Regulus aufgetreten. Der neue Ballettmeister Gallet, ein Schülers Noverres, mache viel Glück. Seine Ballette Ariadne und Bacchus und Die verliebten Thorheiten hätten viel Sensation gemacht. - An der Wien und in der Leopoldstadt sei seit S.s letztem Brief nichts Erhebliches gegeben. Doch mache die lokale Posse Die schwarze Redoute viel Aufsehen. Im Theater an der Wien, würden heute Die Soldaten, die in Hamburg so erfolgreich gewesen seien, gegeben worden. Es folgt die Aufzählung der in den Hoftheatern aufgeführten Stücke seit S.s. letztem Brief. In diesem Zusammenhang Erwähnung von Madame Weißenthurn, Madame Roose, Herrn Koberwein. Madame Adamberger habe sich vom Theater verabschiedet. Sie sei aber nicht aufgetreten, sondern habe ihre Tochter geschickt. - Collin habe aus diesem Anlass ein kleines Stück verfertigt: Der Gestörte Abschied. Lange habe heute eine von Collin verfasste Rede an das Publikum gehalten. Braun gehe nach Galizien, Schikaneder verlasse das Theater an der Wien und gehe auf sein Landgut nach Nußdorf. S. wolle wissen, wie sich I. in Betreff der Stücke Heurath aus Konvention, Das Rendezvous , welche I. schon aus Wien mitgenommen habe, sowie Karl der Kühne und Der zerrissene Brief entschieden habe.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 28. Juni 1804. Donnerstag

Entschuldigt sich wegen der verspäteten Antwort. S. habe erst Informationen über die Theaterneuigkeiten Wiens sammeln müssen. S. habe ein Verzeichnis aller in den drei letzten Monaten aufgeführten Stücke angefertigt. In Zukunft wolle er jeden Monat schreiben. Zum Theater an der Wien: Die Gefangene aus dem Französischen von Seyfried, Musik von Cherubini hätten ziemlich gefallen. Das Narrenhaus habe einige Abende hindurch Unterhaltung gewährt. Johanna nach dem Französischen von Seyfried und Musik von Méhul habe gefallen. Spaß und Ernst von Schikaneder sei nicht übel. Pfändung und Personalarrest von Schikaneder und Teuber, die Musik habe missfallen. Doktor Guldenschmitt habe nicht gefallen. Der kleine Page nach dem Französischen von Seyfried und der Musik von Gallenberg sei durchgegangen. Tod und Lebendig sei tot zur Welt gekommen. Die Pagenstreiche von Kotzebue hätten nur für wenige Vorstellungen ausgereicht. Die tiefe Trauer, Musik von Berton, sei nur Spiel gewesen. Die Paläste von Russland von Reinbeck seien nur einmal gelaufen. Die Soldaten konnten nicht den zehnten Teil des Hamburger Erfolgs erringen. Ariodan, Musik von Méhul, sei trotz prächtiger Kleider und der Musik nur viermal gegeben worden. Das Portrait nach dem Tode des Dieulafoy habe nur Wenigen gefallen. List vermag alles sei schon vergessen. Tante Aurora nach dem Französischen des Longchamp, Musik von Boieldieu, habe nicht gefallen. Das Stück Der Perückenstock habe dasselbe Los gehabt. Die Kammerpagen des Villiers, Musik Isouard, ebenfalls. Ein gewisser Herr Kuditsch, ein vom Brünner Theater engagierter Schauspieler, sei zum ersten Mal im Graf von Waltron, in Lanassa und in Rollas Tod aufgetreten. Er habe eine schöne Figur und viel Talent. Ausgebildet würde er für ein großes Theater in Betracht kommen. Der Seelenverkäufer von Schildbach sei schlecht gelaufen. Madame Renner sei im Spiegel von Arkadien mit Beifall aufgetreten. Die Ähnlichkeit von Duval und Della Maria sei öfter gegeben worden. Liebe auf der Post von Picard habe kein Glück gemacht. Herr Krebs, erster Tenorist, habe als Tamino in der Zauberflöte nicht gefallen. Herr Quandt, ehemaliger Schauspieldirektor in Bamberg, habe als General in den Soldaten allen Kennern gefallen. Zitterbart wollte ihn für seine Bühne, Quandt hätte jedoch ein Engagement in Frankfurt angenommen. Samori von Huber und Vogler habe sich keine gute Aufnahme verschaffen können. Der junge Herr von Morowitz aus Leoben von Gewey habe missfallen. Die Scheidewand mit der Musik von Fischer habe wenig Wirkung gemacht. 20000 Thaler von Dorvigny habe auch keine bessere Aufnahme gefunden. Am 5. Juni habe Herr Ludwig Porte mit seiner Gesellschaft von Seiltänzern und Luftspringern gespielt. Er bekomme 1000 Dukaten für drei Monate und spiele dreimal in der Woche. Porte bringe Geld ein. Die zwei Grenadiere hätten ziemlich gefallen. Die treuen Bürger von Schlenkert hätten ganz missfallen. Die Ehemänner nach der Mode mit Musik von Seyfried seien mit heiler Haut davongekommen. I. sehe aus diesem Verzeichnis, dass das Theater an der Wien fleißig gewesen sei. Man habe die Absicht gehabt, dieses Theater auch zum Hoftheater zu machen, das sei aber nicht geschehen. Es würden dem Theater Reformen bevorstehen, denn es sei nicht gelungen, trotz Aufwand und Mühen, Geld einzubringen. Der Zustand der Kasse sei bedenklich. Ein Ludwig Porte und andere Coups seien der Beweis. Herr Sonnleithner sei nicht der Mann, dem Vorurteil, das man gegen dieses Theater habe, entgegenzuarbeiten. Die öffentliche Meinung traue ihm wenig zu. Herr Caché sei wegen Sonnleithner nicht gekommen. Man habe Schikaneder von seinem Tuskulum in Nußdorf zurückholen können. Sonnleithner trete Ende Juli ab. Herr Weidmann trete am 4. Juli in Die unmögliche Sache auf. - Die Hoftheater: Mai: Der Ton unserer Zeit habe missfallen. Aline, Königin von Golkonda habe wegen der Handlung und der Musik gefallen. Der Sänger Vogel habe große Wirkung gemacht. Hab' ich nicht Recht sei matt und gedehnt gewesen. Der Dienstfertige habe sehr missfallen. Der Papagoy von Kotzebue habe nicht gefallen. Verwirrung ohne Laster habe nicht gefallen. Der Kosakenoffizier von Dumonchau habe nicht missfallen. Madame Renner, Hofschauspielerin in München, sei im Mädchen von Marienburg aufgetreten. Sie habe gefallen, sie sei eine praktische Schauspielerin, leider nicht mehr jung. In Die Langmuth des Titus sei Viktoria Sessi, die Schwester der Baronin Natorp, aufgetreten. Sie habe Aufmunterung erhalten. Eine dritte Schwester gehe nach London. Zu weiteren Auftritten von Madame Renner. Mitgefühl von Treitschke und Wranitzky habe äußerst missfallen. List gegen Mißtrauen habe Frau Renner mitgebracht. Es habe Beifall erhalten. Herr Crescentini sei zum ersten Mal in Romeo e Giulietta aufgetreten. Der Sänger und die Oper hätten sehr gefallen. Zum Vorteil von Herrn Brizzi seien die Kantate Eloïse und Abéllard von Paër und Der Götterbund in Österreich von Kapellmeister Trento gegeben worden. Madame Renner spielte zum vierten Mal in Die Hagestolzen, ihre fünfte Rolle spielte sie in List gegen Mißtrauen. Die Renner solle am Hoftheater engagiert werden, wenn der Kurfürst ihren Vertrag löst. Madame Eigensatz sei am 16. in Die Hagestolzen aufgetreten. Man habe sie herausgerufen. Herr Leißring aus Lemberg habe in den stillen Wassern gespielt. Herr Eckard aus Prag habe im Besuch und in Dienstpflicht gespielt. Als Besuch habe man es ihm verziehen. - Juni: Der Kastrat Crescentini spielte Alonzo e Cora von Mayr zu seinem Benefiz. Das Stück sei weniger wirkungsvoll gewesen als Romeo e Giulietta. Es folgen detaillierte Ausführungen zum Vertrag von Crescentini, der mehr als irgendein deutscher Künstler verdiene. Das Mißverständnis von Madame Weißenthurn sei nicht ohne Wirkung gewesen. Der rechte Weg sei nicht so erfolgreich gewesen. Deserteur und kindliche Liebe hätten gefallen. Die Verwiesenen auf Kamtschatka (der umgemodelte Benjowsky), eine recht artige Oper von Duval, Musik von Boieldieu, übersetzt von Treitschke, habe sehr gefallen. Das Haus habe gelärmt. Herr Demmer sei in dieser Oper aufgetreten und habe viel Beifall geerntet. Die Liebe in Spanien von Baron Bilderbeck habe ein mittelmäßiges Schicksal gehabt. Für den Namenstag des Vizedirektors studiere die Gesellschaft heimlich Henriette oder der Husarenraub. Heute trete ein junger Schauspieler namens Karschin auf, der von Staatsrat Faßbender empfohlen worden sei. Am 1. Juli würden die Ferien des Burgtheaters anfangen. Ludwig Porte und Konsorten würden das Kärntnertortheater weiterbespielen. Herr Brockmann sei sehr krank. Herr und Frau Roose würden während der Ferien in Breslau, Herr Klingmann in Grätz spielen. Herr Lange gehe seiner Vergnügungen wegen nach Oberösterreich. Herr Koch habe keinen Plan, denn wegen der Krankheit von Brockmann habe er keinen Urlaub erhalten. Die Anderen blieben in Wien. Herr Weidmann spiele im Theater an der Wien im Neusonntagskind, den Modesitten und Röschen und Collas. Das Geschäft, das Baron Braun in Polen übernehmen sollte, habe sich zerschlagen, wodurch er viel verliere, auch habe der Kaiser seinen jährlichen Zuschuss zum Hoftheater von 43 000 Florin der Kasse entzogen. Das Publikum würde sagen: ein Iffland, den man sehnlichst erwarte, hätte dem Theater ein neues Relief gegeben. Man sage, dass Iffland einen Ruf nach Petersburg für 5000 Rubel erhalten habe. Weitere Bemerkungen über S.s. Honorar für seine Berichte an I. Die Gebühr für die Kopie des Achilles habe S. noch nicht erhoben, weil er I.s Urteil über Moses abwarten wolle. Über die von I. aus Wien mitgenommenen Stücke Das Rendezvous und die Heurath aus Konvention habe I. sich nicht geäußert, so das S. annehme, sie taugten nichts. Auch über Karl der Kühne und Der zerrissene Brief habe I. geschwiegen. Jetzt schicke S. das Stück die Modepassion, das auf dem Hoftheater gegeben würde. Es sei ein kleines niedliches Stück nach der Folie du Jour von Boissy. Die beiden Teile des unruhigen Wanderers könne I. für 6 Dukaten haben. Auch sei eine Bearbeitung des Georg Barnwell zu haben. In Wien sei das Stück von der Zensur verboten, obwohl es unter Maria Theresia gegeben worden sei. Entschuldigung, dass S.s langer Brief, der nun ein Buch geworden sei, I. viel Zeit raube und ihn von den Musen und der Verwaltung des Theaters abhalte.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 9. Mai 1812. Samstag

S. vermutet, dass sein Brief Einfluss auf Ifflands Reise nach Wien haben wird. Er berichtet ausführlich von den finanziellen Schwierigkeiten, die Pálffy im Theater an der Wien hat; so behaupte Pálffy zwar, er sei der alleinige Eigentümer, doch mindestens die Hälfte des Kapitals stamme vom Hof und von anderen Gläubigern. Die Monatsgagen zu April wurden statt zu Anfang des Monats erst am 17. bezahlt. Ausgezahlt wurden Gehalt und Garderobengeld, aber die Spielremunerationen wurden einbehalten, obwohl sie vertraglich vereinbart sind und die Mitglieder darauf angewiesen sind, um Ausgaben wie Miete usw. zu bestreiten. Für S. betragen die ausstehenden Remunerationen 200 Taler, die er dringend benötigt. Die Wochengage ist gegen den Willen des Herrn Treitschke ausgezahlt worden. Madame Kühne von Breslau, die unglücklicherweise nicht gefallen hat und daher die 10 vertraglich vereinbarten Rollen nicht geben kann, pocht vergebens auf das vertraglich zugesicherte Honorar. Das Ensemble befindet sich außerdem in Auflösung, verschiedene Schauspieler gehen in andere Städte. Es folgt der Spielplan für den April: Gegeben worden sei am Hoftheater Der Fremde mit Madame Brede (16.4.), Toni von Körner - das Stück habe Beifall erhalten (17.4.) -, Die Aussteuer (23.4.), Der häusliche Zwist und Armuth und Edelsinn (25.4.), sowie Minna von Barnhelm, alle vier mit Madame Kühne. Im Theater an der Wien habe man am 22.4. Die natürliche Zauberey aufgeführt, wo die Musik, aber nicht das Stück, gefallen habe, am 24. Mahomet von Goethe nach Voltaire mit Lange als Sopir (das Stück hat nicht gefallen), am 29.4. Die Jungfrau von Orleans mit Madame Kühne. Im Theater in der Josephstadt spiele man Pygmalion von Gewey. S. bittet darum, ihm 12 Dukaten vorzustrecken, damit er aus seiner Geldverlegenheit kommt, doch ohne das halbjährliche Honorar, das Ende Juni fällig wird, in Anspruch zu nehmen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 11. Juni 1812. Donnerstag

S. referiert den Spielplan der Wiener Bühnen für Mai und Anfang Juni 1812. Im Hoftheater am 8. Mai Kabale und Liebe mit Madame Kühne, am 13.5. nach langer Zeit wieder ein Stück von Collin: Balboa, aber vor leeren Rängen. Erfolgreich sei hingegen die Sammlung der Kunstfreunde zu seinem Monument gewesen; nur ein einziger sehr Großer habe widersprochen. Schröders Advokatenspiegel ist unverkennbar eine steife Übersetzung aus dem Englischen und fiel durch (15.5.). In Bayard hatte Mademoiselle Maaß viel Erfolg (18.5.); S. wird I. gedruckte Aufsätze über ihr Spiel schicken. Schröders Adelheid von Salisbury, schon vor 25 Jahren aufgeführt und am 23.5. als Neuheit präsentiert, erlebte nur zwei Vorstellungen. Am 25.5. Die Unvermählte mit Mademoiselle Maaß. Spontinis Ferdinand Cortez wurde mit großen Erfolg gegeben. Am 27.5. gab man Sonnenleithners Dir wie mir, was gut aufgenommen wurde, davor Maske für Maske, am 29.5. Kabale und Liebe, am 31.5. Das Mädchen von Marienburg - alle diese vier Aufführungen mit Mademoiselle Maaß. Im Theater an der Wien wurde am 1. Mai Die Komödie aus dem Mantelsack von Hasenhut aufgeführt, die durchfiel. Am 8.5. gab es Macbeth mit Lange in der Titelrolle. Die Aufführung erfolgte zum Besten des Pensions-Instituts der Theatermitglieder, doch wurde sie schlecht besucht, worüber es zu einem handfesten Streit zwischen Pálffy und Hartl, dem Begründer dieser Einrichtung, kam. Am 15.5. Kotzebues Die Verschwörung auf Kamtschatka mit Madame Kühne, am 16.5. Vetter Damian von Sigora von Eulenstein - ein mittelmäßiges Stück - und am 29.5. Die Jungfrau von Orleans mit Mademoiselle Maaß. Anfang Juni - am 2.6. und am 10.6. - Die Jungfrau von Orleansim Theater an der Wien wiederholt, am 9. Esser mit Mademoiselle Maaß. Pálffy hat Mademoiselle Maaß im Egmont singen hören und sie überredet, in Aschenbrödel aufzutreten, was sie wohl auch bald tun wird. Die Maaß kann also vor Mitte Juni ihre Gastrollen nicht beenden. S. hat den bescheidenen, aber doch so begabten jungen Dichter - Theodor Körner - überredet, ihm Abschriften seiner Stück für I. zu überlassen: Der grüne Domino, Die Braut, Der Nachtwächter und Toni. Was das Honorar angeht, ist nichts vereinbart. Er schickt ihm außerdem gedruckt die Oper Franzisca von Foix, die hier viel Erfolg hatte, und Die Zeiträume. Außerdem schickt er ihm 21 Exemplare eines Gedichts zum Gedenken an Brockmann, das S. auf eigene Kosten verlegt hat. Zum Schluss kommt er auf die Schwierigkeiten und das Durcheinander im Hoftheater zu sprechen, über Klagen und Entlassungen; im kommenden Monat wird nicht gespielt, um die Gagen zu sparen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 5. Juli 1812. Sonntag

S. gehe davon aus, dass die am 10. Juni abgeschickten Stücke angekommen seien: Körners Die Braut, Der grüne Domino, Der Nachtwächter und Toni im Manuskript, dazu im Druck Die Zeiträume (3 Lustspiele), Franzisca von Foix, Collin's Feyer und das Gedicht zur Erinnerung an Brockmann in 23 Exemplaren. Körner bittet um eine schnelle Antwort; S. hebt noch einmal hervor, dass I.s Urteil für diesen jungen Autor wichtig sei. Im Juni (nach dem 10.6.) liefen im Hoftheater: Am 17.6. Der Dichter und der Schauspieler, ein Lustspiel, das dank der Leichtigkeit im Plan und der Dialoge gefiel, und am 27.6. Die Pflegesöhne, ein Trauerspiel, das seiner großen und herzergreifenden Situationenwegen sehr großes Glück machte und das S. empfiehlt. S. bedauert die materielle Armut des Publikums, das seinem Drang nach Schauspielen nicht mehr wie ehedem nachgeben kann. Am 28.6. wurde Die Zauberflöte nach längerer Zeit wieder gegeben, bei vollem Haus. Im Theater an der Wien wurden aufgeführt: Am 11.6. Kotzebues Die Abendstunde, am 12.6. Goethes Mahomet nach Voltaire, mit Mademoiselle Maaß, und am 13.6. Aschenbrödel mit Mademoiselle Maaß, am 15.6. Die Wunderkur von Costenoble nach Molière (Molières Witz gefiele immer!), am 19.6. Tamerlan von Winter, wo die Musik sehr gut ankam und am 29.6. Don Juan mit einem Herrn Forti aus Pressburg in der Titelrolle. Am 29.6. gab die Familie Cogen aus Paris Tänze auf dem hohen Seile! wozu muß man nicht schon seine Zuflucht nehmen, um Leute in das Theater zu bringen. Im Juli bleibt das Burgtheater geschlossen. Im Juni waren die Theater in Wien - abgesehen von den Neuheiten - ziemlich leer. Pálffy lässt wieder die Zauberflöte geben und liegt deswegen mit Lobkowitz im Streit.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 14. August 1812. Freitag

S. berichtet von den Aufführungen der Wiener Theater im Juli: Im Hoftheater am Kärtnertor wurde Umlaufs Der Grenadier gegeben. Diese allerliebste Kleinigkeit empfiehlt S. Darüber hinaus gab es keine Oper, viele Mitglieder des Theaters waren in die Provinzen verreist. Im Theater an der Wien wurde Die Zauberflöte mit Forti und Wild vor vollem Haus und zum Gefallen des Publikums aufgeführt. Das Stück gab man sogleich auch am Kärntnertor, doch lief das Theater an der Wien diesem den Rang ab, weil die Besetzung besser war. Schikaneder verlor durch den Verlust seines Vermögens den Verstand, Wien bewilligte ihm daraufhin von jeder Vorstellung von Die Zauberflöte 5%. Hensler gab im Theater in der Leopoldstadt Die Schweden vor Brünn zu seinem Besten. Der pensionierte Lange spielt für 60 Dukaten in beiden Theatern. Am 18.7. gab es Die Belagerung von Saragossa (wenig glücklich), am 25.7. Gustav Wasa, wo Grüner und Ochsenheimer sich um die Rolle des Christian stritten und sie nun abwechselnd spielen. Im Hoftheater begann der August mit I.s enthusiastisch aufgenommenen Die Jäger. Am 10.8. wurde Körners Lustspiel Der Vetter aus Bremen gegeben. Körner vermeldet I. seinen Respekt und bietet dieses Stück wie die bereits übersandten für ein Honorar von 20 Gulden an. Castelli bittet um das Honorar für seinen Artaxerxes und seine Diana von Poitiers und kündigt an, dass er zwei neue Opern fertig hat. S. fragt, ob I. bereits Ferdinand Cortez habe. Am 14.8. spielt man im Theater an der Wien Kotzebues Eine respektable Gesellschaft. Er fügt den Oesterreichischen Beobachter vom 11. August bei, wo das Kunstfest der berühmten Mademoiselle Doebbelin erwähnt ist. Am 19. Juli hat Graf Pálffy seinen Anteil an den Hoftheatern gegen eine Douceur von 2000 Dukaten dem Fürsten Lobkowitz abgetreten. Das Theater an der Wien wird durch diese Maßnahme organisatorisch abgetrennt und die Hofschauspieler und -sänger werden nicht mehr gegen ein Douceur dort auftreten. Der Fürst hat alle Rechte der deutschen Gesellschaft bestätigt, Herr Korn wurde Regisseur und das halbe deutsche Orchester entlassen oder sein Gehalt reduziert. Alle sind voller Erwartungen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 6. Oktober 1812. Dienstag

I. erhält Die Pflegesöhne direkt vom Verfasser aus Lemberg, wo dieser sich derzeit aufhält, und wird von ihm auch die Bedingungen erfahren. S. hatte sich unterdessen in Geschäften in Ungarn befunden, weswegen auch im September seine Relation entfiel. Doch wird sein nachgetragener Bericht zeigen, dass I. außer dem Stück Johann von Paris nichts verpasste. Im August war im Hoftheater zu sehen: Von Kotzebue am 20.8. Das getheilte Herz und Die Masken, am 21.8. Die Rosen des Herrn von Malherbes, am 22.8. Der arme Poet. Am 28.8. wurde Johann von Paris mit der Musik von Boieldieu nach dem Französischen des St. Just in der Bearbeitung von Castelli gegeben. Hinsichtlich der Musik und des Textbuchs ist diese Oper eine ganz ungewöhnliche Erscheinung an dem Theaterhimmel, welche von dem hiesigen Publikum mit allgemeinem Entzücken aufgenommen wurde. S. hätte I. das Buch geschickt, hätte dieser nicht darum gebeten, ihm aus Sparsamkeitsgründen Bücher nur auf Verlangen zu schicken. S. rät I., die Oper so schnell als möglich zu beschaffen. Im Theater an der Wien wurde am 29.8. ebenfalls Johann von Paris, aber in der Bearbeitung von Seyfried gegeben. Die Theater stehen, was diese Oper angeht, im Wettbewerb, dem Hoftheater gebührt der Vorzug in Gesang und Ausführung, dem Theater an der Wien in Dekoration und Arrangement des Ganzen. Er bittet um um eine schnelle Bestellung der Oper, da die Bezahlung mittels Aviso Verzögerungen nach sich ziehen kann und die Abschrift folglich erst spät in Berlin eintreffen könnte. S. macht Angaben über den Umrechnungskurs und betont noch einmal seine finanzielle Knappheit angesichts der Zahlungsunwilligkeit der Wiener Theaterdirektion. Im März hatte er einen Vorschuss von 12 Dukaten erbeten, den er jetzt allerdings nicht mehr benötigt, weil in Wien ihm jemand die Ausstände überbrücken half. Im September wurde im Hoftheater I.s Der gutherzige Polterer gegeben (14.9.); Koch spielte den Polterer mit Erfolg. Obwohl Der gutherzige Murrkopf hier sehr bekannt ist, erhielt das Stück doch Beifall. Am 15.9. gab es Der verwundete Liebhaber, am 24.9. Die Gattenwahl / La scelta dello sposo, am 29.9. Die Feldmühle und im Theater an Wien von Theodor Hell am 14.9. Angelika oder Der Tochter Opfer. Alle drei Stücke hatten keinen Erfolg.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 10. November 1812. Dienstag

Bedankt sich für die Zuschrift (von Ifflands Sekretär?) und nimmt mit Vergnügen zur Kenntnis, dass die Reisen geschäftlich erfolgreich sind und I. die Erwartungen seiner Bewunderer und Verehrer übertrifft. Es geht das Gerücht, dass Wien im kommenden Frühjahr so glücklich sein wird, I. wie schon zweimal zuvor begrüssen dürfen. Auch lukrativ scheint es um diesen Plan nicht schlecht zu stehen. Kratter hat aus Lemberg geschrieben, dass er Die Pflegesöhne bereits nach Berlin geschickt hat und 20 Dukaten Honorar dafür haben will. Castelli und Körner bitten ebenfalls um ihr Honorar. Kurländer wird sein Schauspiel Pauline Wellenberg, das am Vortag im Hoftheater gegeben und wie verdient behandelt wurde, u. d. T. "Pauline Cettiri" nach Berlin schicken. Im Hoftheater war am 22.10. So muß man Füchse fangen zu sehen, mit einem gewissen Moreau in der Rolle von Herrn Christmann, der vor allem die Fehler des verstorbenen Weidmann wiederholt, aber das Publikum begeisterte. Moreau spielte mit ebenso großem Erfolg in Der Hausdoktor und Das Findelkind. Weigls Liebhaber und Nebenbuhler gefiel und ist zu empfehlen (29.10.). Die Komposition des geschickten Gyrowetz zu Das Winterquartier in Amerika befriedigte die Liebhaber. Im Theater an der Wien wurde am 10.10. Rudolph von Habsburg von M. H. Mynart gegeben. Das Stück wurde protegiert und besitzt auch einige schöne Stellen, aber gefiel trotzdem nicht. Preciosa ist trotz des Namens Cervantes schal und matt. Die Herberge bey Parma machte das ominöse Kleeblatt vollständig, das für die Direktion ein ökonomisches Problem aufwirft. Polawsky aus Prag, der in Wien im Vorjahr Gastrollen gegeben hat, ist als Ruf in Die Schachmaschine aufgetreten. Der Schluss des Briefes wirft die Frage auf, wie mit den Schauspielerkontrakten umgegangen werde, da ja Lobkowitz bei der Übernahme des Theaters die Bedingung gestellt habe, dass die Schauspieler mit Doppelkontrakten nur die Verbindlichkeiten am Hoftheater zu leisten haben. S. legt dem Brief Johann von Paris in der Einrichtung von Seyfried bei; die von Castelli sei nicht gedruckt. Die Nachschrift lässt Iffland ausrichten, dass er sich auf seinen Besuch in Wien freut und lässt seine Frau grüßen.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 12. Dezember 1812. Dienstag

S. beglückwünscht I. zum glänzenden Ausgang seiner Reise. Pauline Wellenberg im Hoftheater (10.11.) hat sehr missfallen; allerdings zweifelt S. nicht daran, dass I. mit dieser ungesalzenen Wassersuppe ebenfalls heimgesucht worden ist. Am 26.10. gab man Wie man eine Hand umkehrt oder Der flatterhafte Ehemann frei bearbeitet von Bock nach Cumberland, mit einigen neuen Redensarten vom Sekretär Sonnleitner. Das Stück ist klassisch, aber auch veraltet, seine besten Situationen und Charaktere vielfach verwendet. In der großen musikalischen Akademie in der Reitschule am Josephsplatz wurde die Kantate Timotheus oder die Gewalt der Musik von Dryden, übersetzt von Ramler, mit der Musik von Händel, bearbeitet von Mozart, aufgeführt. 672 Ausführende hinterließen in der Reitschule einen kaum vorstellbaren Eindruck. Der Kaiser bestritt die Baukosten. Die erste Aufführung brachte 20.000, die zweite 17.000 Dukaten Einnahmen, die nach Abzug der Unkosten an die Bewohner des Schlachtfelds bei Wagram und an die Bewohner des abgebrannten Baden b. Wien gehen. Für eine große Hauptstadt wie Wien sei das aber nicht viel Geld. Im Theater am Kärtnertor gab es nichts Neues, im Theater an der Wien Johanna von Montfaucon und Die Hussiten vor Naumburg. S. beklagt die Einfallslosigkeit der Theater, aber auch bei den Hoftheatern die Verwirrung, Planlosigkeit und den Geldmangel. Lobkowitz habe sich einen Monat lang auf seinen Gütern aufgehalten, sei am 29.11. zurückgekehrt, habe aber leider kein Geld mitgebracht und verschanze sich vor seinen Gläubigern hinter der Dienerschaft. Die deutschen Schauspieler, die ganz vom Theater am Kärtnertor getrennt sind, nehmen jeden Monat über den Etat der Gagen hinaus 7000-8000 Dukaten ein. Doch wird das Geld entweder für das fürstliche Haus oder für die Oper verwendet. Duport bringt auch nicht mehr viel ein, die Menschen werden die Choreographien leid, außerdem hat er sich vor kurzem mit Mademoiselle Neumann zusammengetan und die Folgen dieser Verbindung sind schon sichtbar. Man spricht davon, dass die beiden Hoftheater wieder unter die unmittelbare Direktion des Hofes zurückkehren, es ist ja auch Zeit, dass eine starke Hand das Ruder dieses Schiffs ergreift. Man erwartet I. sehnsüchtig in Wien und hofft auf seinen Einfluss in der gegenwärtigen Lage. In einigen Tagen wird ein neues Trauerspiel in Versen gegeben: Germanicus, dann folgt Hedwig von Körner.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 15. Februar 1813. Montag

Es ist S. unerklärlich, dass I. auf einen Brief von Pálffy vom 6. Januar d. J. nicht geantwortet hat, obwohl das Angebot ebenso vorteil- wie schmeichelhaft war. Da es sein kann, dass der Brief verloren gegangen ist , so hat S. den Auftrag erhalten, das Angebot zu wiederholen: Die Direktion des Theaters an der Wien lädt I. für Mai und Juni zu einem Gastspiel mit dreißig Gastrollen ein, wobei sie für jede Rolle 30 Dukaten in Gold bietet. I. müsse nur jeden zweiten Tag spielen, so dass Erholung jeweils gewährleistet sei. Zu einer freyen Einnahme würde man sich, wie ich glaube, auch verstehen, welche Ihnen dann ebenfalls gegen 4000 Dukaten abwerfen würde. Falls I. verhindert sein sollte, bittet man um eine rasche Antwort, damit man entsprechend neu planen kann. Da S. fürchtet, dass sein Bericht für Januar, den er zu Anfang diesen Monats abschickte, den Ort seiner Bestimmung nicht erreicht hat, fasst er hier das Wesentliche noch einmal zusammen: Im Hoftheater wurde gegeben: am 1.1. Der leichtsinnige Lügner von Schmidt, ohne großes Glück, am 11.1. Hedwig von Körner (das Stück gefiel bis auf einige grelle Szenen), am 25.1. Welche ist die Braut? von Madame Weissenthurn. Da sie I. das Stück ohnehin zuschickt, braucht S. über den Inhalt nichts zu sagen. Es gefiel, insbesondere einige Stellen mit Ausfällen gegen den Sammler und Beobachter. Das hieß den Zeitschriften den Fehdehandschuh hinwerfen. Der Sammler replizierte mit Plagiatsvorwürfen, auf die Madame Weissenthurn antwortete. Im Theater an der Wien gab es Zriny von Körner und Der Schusterfeyerabend, eine possenhafte Oper aus der Leopoldstadt. Neben Polawsky, der nach Prag zurückgehe, führt S. weitere Abgänge und Todesfälle aus dem Ensemble auf. Die neue komische Oper Die vornehmen Wirthe, deren Zettel er beilegt , hat sehr gefallen und ist wirklich allerliebst.

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 5. Dezember 1813. Sonntag

S. geht davon aus, dass die am 18.11. verschickten fünf Manuskripte: Herrmann, Zriny, Heinrich von Hohenstaufen, Die Bürger in Wien und Deutscher Sinn sowie die Gedichte Die Schlacht und Germania mitsamt der Subskriptionsliste und den Berichten bis Ende Oktober bei I. eingegangen sind. Die Regie bittet darum, dem Hoftheater bald möglichst Die drey Ringe zu übersenden. Frau Weissenthurn empfiehlt sich und lässt fragen, ob er die von Weigl komponierte Musik zu den Chören von Herrmann wünscht. Frau Pichler sendet einen Nachtrag zu Heinrich von Hohenstaufen, der zu ihrem Ärger vom Kopisten ausgelassen wurde. Ferner legt S. die Theaterzettel für beide Stücke bei. Es folgt der Bericht für November: Im Hoftheater wurde am 13.11. Cumberlands Der Westindierneu bearbeitet von Reinbeck gegeben; die Neubearbeitung, in der schlechte alte durch nicht bessere neue Redensarten vertauscht wurden, erregte Gähnen und wird wohl nur kurz zu sehen sein. Am 24.11. hatte Der Deserteur, bearbeitet von Ehlers und mit neuen Musikstücken, in dieser neuen Fassung Erfolg beim Publikum. Am selben Tag war das Trauerspiel Herrmann zu sehen; von einer Mitkünstlerin verfasst, enthält sich S. jeden Urteils; das Stück hat einzelne große Schönheiten und wurde bereits viermal bei gut gefülltem Haus, aber nicht lautem Beifall gegeben. Im Theater an der Wien wurde ebenfalls am 24.11. Das lustige Beylager gegeben. Das Stück, das im Leopoldstädtischen Theater an seinem Ort ist, behagte dem feineren Publikum an der Wien nicht so ganz. Herr Schuster aus dem Leopoldstädtischen Theater spielte die Rolle des Herrn von Haspel. Beide Theaterdirektoren, denen das Wasser bis zum Hals stünde, unternehmen nur wenig, um ihre Lage zu verbessern. S. legt sein Gedicht auf die Schlacht von Leipzig bei. Er lässt Ifflands Frau und Madame Unzelmann grüßen und bittet darum, Ziegler das Schicksal seiner Stücke wissen zu lassen.

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