Regest: I. werde S.s Brief vom 2. mit der Claudine und dem Januarbericht erhalten haben. - Neuheiten der Hoftheater im Februar: 6.: Das verlorene Kind von Kotzebue. Das Stück sei aufgeführt worden, weil es gedruckt sei und also nichts gekostet habe. Obwohl Brockmann gespielt habe, habe das Publikum das Stück für einen untergeschobenen Wechselbalg gehalten. - 17.: Die Schule der Frauen, Lustspiel von Kotzebue nach Molière, getreu und frei übersetzt. Man habe schon über die Worte getreu und frei lachen müssen. Trotzdem Koch den Arnulph mit ganzer Kunst gespielt habe, sei das Stück durchgefallen, weil man es pöbelhaft und possenhaft gefunden habe. - 25.: Faniska, eine große Oper in drei Akten von Sonnleithner und Cherubini. Die Oper habe wegen der vielen neuen musikalischen Gedanken gefallen. Heute sei die dritte Vorstellung, deren Einnahme Cherubini erhalten werde. S. schicke demnächst das Buch. Die Italiener seien nach dem Karneval gegangen, das Ballett komme wieder. Durch die italienische Oper spare Braun jährlich 4000 Florin. Jetzt gebe es in beiden Hoftheatern deutsches Schauspiel und deutsche Oper im Wechsel. - Nun heiße es, im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen. - Die Epidemie greife täglich mehr um sich und man habe täglich mehr als 100 Tote. Die Russen würden das Nervenfieber verbreiteten. Auf dem Lande und in Ungarn sei es noch viel schlimmer. Besonders arme Leute und das Militär würden sterben. Auch am Theater seien viele krank, so der Baron und Lange. - Im Theater an der Wien habe man im Februar folgende neue Stücke gegeben: 3.: Sargines, Oper von Paër, übersetzt von Weigl. Dass diese meisterhafte Musik so wenig Wirkung gemacht habe, habe an der Lausigkeit gelegen, mit der in diesem Theater alles gegeben werde, und daran, dass man aus Ökonomie keine pompösen Dekorationen mache. - 9.: Die Schwestern von Prag. Baumann vom Hoftheater sei darin mit Beifall aufgetreten. Die Kasse habe 1700 Florin eingenommen und man habe das Stück inzwischen schon fünfmal vor vollem Haus gespielt. - 15.: Die Eisenkönigin, Zauberoper von Schikaneder, habe wenig Glück gemacht. Schikaneder gebe am 19. seine letzte Vorstellung, verkaufe sein Haus in Nußdorf und gehe nach Bayern. - Im Leopoldstädtischen Theater habe man im Februar folgende Stücke gegeben: 4.: Dämona, ein Feenmärchen mit Gesang. Das Stück gefalle sehr. - 24.: Johanna von Montfaucon.  Das Schauspiel wurde am Theater in der Leopoldstadt mit Musik von verschiedenen Komponisten aufgeführt.
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Der Zulauf sei groß
gewesen, die Kasse und das Publikum hätten sich gut befunden. - Alle Verehrer I.s würden den wärmsten Anteil an der Auszeichnung nehmen, die I. von Alexander widerfahren sei, indem dieser I. einen Ring von so großem Wert geschenkt habe. Man schätze an Alexander, dass er große Verdienste zu würdigen wisse. - Carolus Magnus, der zweite Teil von Die Deutschen Kleinstädter, sei hier angekommen, werde aber nicht aufgeführt, weil es ganz Posse von der niedrigsten Art sei.

Zitierhinweis

Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 3. März 1806. Montag (Regest). In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 12 vom 20.08.2021. URL: https://iffland.bbaw.de/v12/A0008527


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