Regest: I. dankt für das Vertrauen, das ihm K. mit der Übersendung seines dramatischen Gedichts Camillus erwiesen hat. Früher zu antworten, war ihm wegen des Übermaßes von Arbeit nicht möglich. Leicht hätte er zwar einige Zeilen schreiben können, doch hatte das Gedicht seine Aufmerksamkeit erregt und er wollte ausführlich antworten. Wer Charaktere wie Camillus und seine Mutter zu erschaffen vermöge, von dem könnte die vaterländische Bühne noch viel erwarten. Nur ist das Stück zu lang und zu komplex, als es erfolgversprechend wäre. Es hat zu viele bedeutende Rollen und verlangt einen zu großen Dekorationsaufwand, der in schwierigen Zeiten wie den jetzigen, nicht zu verantworten ist. Aus demselben Grund kann die Oper Die Bajaderen derzeit nicht aufgeführt werden, obwohl die Dekorationen fertig sind. Haupthindernis für einen zu erwartenden Erfolg und damit auch für die Aufführung sieht I. aber im römischen Sujet, in der Darstellung „römischer Sitte, Politik u Charakteristik“ und darin, „dass unsre Weichlichkeit einen Vorwurf in jenen strengen Charakteren findet“. I. gibt nun eine detaillierte Kritik des Stücks. Unter anderem zählt er die viel zu vielen wichtigen Rollen auf, setzt sich im Detail mit der Figur des Camillus auseinander und kritisiert ausführlichst zahlreiche Einzelstellen.

Zitierhinweis

An Friedrich Graf von Kalckreuth. Berlin, 31. Januar 1813. Sonntag (Regest). Bearb. v. Markus Bernauer. In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 29.04.2019. URL: https://iffland.bbaw.de/v8/A0005543


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