| 1Ihre Zufriedenheit, Ihr Glück ist mir Werth.

Den Beweis davon finden Sie in dem, was an Rollen und Gehalt seit zwei Jahren, wo ich hier in Thätigkeit bin, für Sie, und zwar manchmal ohne Ihre Erinnerung geschehen ist. In sofern Ihr Schreiben mir den Beweis geben soll, daß es um die Kunst Ihnen dringender Ernst ist, habe ich es mit Vergnügen gelesen.

Daß aber bis dahin mehr hätte für Sie geschehen können, das ist wohl mehr in Ihrem dringendem Wunsche zu suchen, als in der Möglichkeit.

Von Hülfsrollen, worin ich Sie fand, habe ich Sie in handelnde Rollen gebracht. Darin werde ich, nach und nach, von Ihrem Fleiße unterstützt, immer weiter ziehen.

Aber nur nach und nach kann das, um unser beider Willen geschehen.

Eine jede Partheilichkeit, deren man mich mit Recht beschuldigen könnte, würde belastend auf Ihnen ruhen.

Dies würde mit der idealischen Rolle des Piccolomini der Fall gewesen seyn, welche zu erfüllen ich keinen Schauspieler kenne.

Sie jezt H. Mattausch im Gehalt gleich zu setzen, wäre eine wahre Unmöglichkeit, da des Königs Majestät den Antrag gewis nicht gut heißen würde, wenn er so früh geschähe. Es sind natürlich die hiesigen Dienstjahre, | 2 die vorzüglich in Anschlag kommen.

Es ist in Ihrem Verhältniß keine Ungerechtigkeit, und wenn eine leise Ungerechtigkeit darin ist, so wissen Sie, daß ich so wenig, wie andere Menschen, die irgend einem Etablisement vorgesetzt sind, im Stande bin, Ungleichheiten, die sich einschlichen, in Kürze oder gar auf einmal zu heben.

Was Hn. Fleck betrifft, so ist er wahrlich Ihr Freund, mit dem Schreier Beaumarchaise hätte er Ihnen ein schlechtes Geschenk gemacht. Alba war Nothwendigkeit. Sie habe ihn anständig gespielt, nicht damit verlohren, sondern an Achtung für Brauchbarkeit und Gefälligkeit gewonnen.

Wenn Sie meiner Sachkenntniß und Freundschaft vertrauen, so glauben Sie mir, daß die Art, wie ich Sie dem Publikum vorführe, überdacht, und in der Hauptsumme zu Ihrem Vortheil ist.

Diese entscheidet, nicht der Augenblick.

Prüfen Sie Sich. Sie haben einen Hang zu etwas Mistrauen, und Ihre Freunde thun Unrecht, daß Sie durch gut gemeinte, aber gewis nicht richtig gesehne Dinge und Nachrichten, Sie darin bestätigen.

Ich hoffe es werde nicht möglich seyn Ihnen künftiges Jahr ein Benefice zu verschaffen.

| 3Das ist, was ich über Ihren Vortheil Ihnen gegenwärtig sagen kann.

Vergessen Sie nicht, daß man nicht zu gleich säen und erndten kann, und daß ich keine Gelegenheit vorbei lasse, die mit meiner Pflicht bestehen kann, Ihnen thätig zu beweisen, wie sehr ich bin

Ihr aufrichtiger Freund Iffland

Berlin 31 Januar
1799

Zitierhinweis

An Karl AugustWilhelm Schwadtke. Berlin, 31. Januar 1799. Donnerstag. In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 29.04.2019. URL: https://iffland.bbaw.de/v8/A0003177


Kanonische URLDieser Link führt stets auf die aktuellste Version dieses Dokuments.

https://iffland.bbaw.de/A0003177

Versionsgeschichte

Dieses Dokument liegt auch in älteren Versionen der digitalen Edition „Ifflands Archiv“ vor. Die Versionen, die eine Änderung gegenüber der jeweiligen Vorgängerversion beinhalten, sind mit hervorgehoben.