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| 1Es kann Ihnen nicht unangenehm sein, von Menschen die Sie lieben, welche Ihnen so ergeben sind wie ich es bin, die Sprache des Herzens zu hören; denn wie leicht kann ein solches Zurückhalten, wo man reden möchte, muß, und nicht gern will, ein schiefes Licht auf den werfen der Ihnen nicht gerne die mindeste Unannehmlichkeit verursachen möchte, und dem es doch Bedürfniß ist, Ihnen manches zu sagen was mündlich nicht so gethan ist.

Nie werd ich ich es vergeßen daß, was ich ietzt hier bin, es durch Sie geworden bin, denn Sie zogen mich aus dem Finstern ins Helle und gaben mir den verloschenen Muth wieder, so aber auch ietzt den Muth, das Verlangen; ich möge nicht wieder zurückkehren in diese Finsterniß.

Von Piccolomini sind die Rollen vertheilt und H Mattausch hat den Max der ihm die Aussicht auf eine ähnliche Rolle in Wallensteins Todt gewährt. Ich bin zufrieden mit der Rolle im verliebten Briefwechsel. Mattausch spielt immer erste Rollen, er steht nie untergeordnet, er hat die | 2schönste Aussicht, ein Benefiz welches ihm auch eine Würde in den Augen des Publikums giebt, ein gutes Gehalt, ein einzelner Mensch. Er ist 10 Jahre hier aber ich bin eben so lange Schauspieler, und Sie haben mir gesagt ein eben so guter Schauspieler. - Stellen Sie ihn doch gleich mit mir liebster Herr Iffland, stellen Sie mich doch gleich mit ihm. Ihre Güte durch gewährte Vorschüsse, Ihre herablaßende Güte, Ihre Freundschaft giebt mir die Kraft Sie darum zu bitten - hinauf streben zu wollen. Es peinigt mich, es macht mich uneins mit mir selber, wenn ich länger mich selbst vernichtet sehen muß.

H. Fleck giebt mir in alten Stücken gewiß nicht Gelegenheit mich verdient zu machen um das was mir so nöthig ist; Fleck hat mich und meine Frau herunter gebracht, nie, kann ich es ihm vergessen!! In Clavigo nimmt er sich Chechtizkys Rolle aber die schlechten giebt er mir; mir giebt er ietzt  Rolle aus Goethes Stück: Clavigo.
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Buenko
, damit er, wenn er ihn nicht mehr spielen will, an Mattausch oder Beschort geben kann, um mich vollends aufzubringen macht er mit dem  Rolle aus Schillers Stück Don Carlos.
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grauen Alba
den Beschluß. - Was soll ich thun bei Vorfällen dieser Art als mich bei Ihnen beklagen in Ihren Schutz mich werfen, Sie bitten es zu ändern, mich das wiedergefundene Zutrauen zu mir selber nicht verlieren zu laßen. Ich bin überzeugt daß es Ihnen lieb ist daß ich so rede, weil Sie mein Wohl befördern wollen | 3 und ebenso wenig werden Sie mich mißdeuten - Wie muß ich in die Lippen beißen wenn ich Beschort sagen höre: "man meint der Fleck trinkt so viel", ja, der kann wohl trinken, dafür muß unser eins sich mit Waßer begnügen. Beschort ist ein Jahr später hier als ich. Wofür muß ich in Beschorts und Mattauschs' Augen passieren? Durch den Alba hab ich mir geschadet, meine Freunde haben es mir versichert, man hat mich geduldet - ich weiß es gewiß. - Wie oft muß ich hinter meinen Rücken hören, ach! der arme Schwadke, des und das haben die armen Leute, wie ist es möglich! Aendern Sie es ab liebster Herr Iffland! Dies Gefühl mich bemidleidet zu sehen macht mich stumm, gewiß ich bin sehr gern frölich - aber es ist mir als dürft ich nicht reden, als müßt ich schweigen und mich schämen. Ich bin zum Kopfhänger verdorben, aber dies Gefühl preßt mir die Zähne zusammen und macht mich unfähig indes so zu fühlen, so zu empfinden wie ich es könnte.

Nehmen Sie diese Zeilen freundlich von mir auf und behalten ferner in Ihrem unschätzbarsten Andenken

Ihren
ergebensten
CW Schwadke

Zitierhinweis

Von Karl August Wilhelm Schwadtke. Berlin, kurz vor 31. Januar 1799. In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 1 vom 11.08.2017. URL: https://iffland.bbaw.de/v1/A0003076


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