| 1 Mein liebster Freund!

Gleich nach empfang Ihrer mir sehr lieben Zuschrift suchte ich KammerSecretär Werner dem rechten Verfasser, der Brüder des Thals, auf – ich fand ihn aber nach verschiedenen Gängen erst gegen Abend einheimisch, der Ihren Brief aber in seinem Logi gelesen so war er auf meine Ankunft u zu gebender Antwort bereitet – unter vielen Complimenten erckandt er die Güte Ihres Briefes darin er sich sehr geschmeichelt fühlet daß Herrn Director Ifland ihm die Achtung, und Gefühl fürs schöne gonnet u erckennet. Er gestehet gern daß seine ersten Versuche noch manche Verbeßerungen bedürften, er wäre aber wohl darin zu entschuldigen, wenn man in Erwegung zöge, daß seine besten Stunden den Plichten seines Dienstes gewidmet werden müßen, u bis jetzo nur seine arbeiten als eine Neben Sache hatte betrachten müßen. Mit größerer Herzlichkeit würde er aber jetzo an dergleichen Arbeiten gehen konnen, da er versichert wäre, daß solche in die Hände eines solchen Mannes kommen werden, die sie so liebreichst in Schutz zu nehmen, ihm die frohe Aussicht giebt: Er wünscht dahero mit denen Gesinnungen d Herrn Director Ifland näher bekannd zu werden, u bittet dahero denselben, ihm mit einer gefälligen Zuschrift zu beehren, womit derselbe ihm die nöthige Aufschlüße geben möchte – Kurtz um mit demselben in diereckter Bekanndtschaft und unterhandlung zu kommen, besonders da er bereits ein Schauspiel in der Arbeit hatt, davon aber erst der 2te Aufzug oder Ackt beendet. Dieser Herrn | 2 CammerSecretair Werner ist ein hezensguter Mann u ich glaube daß es nicht viel überredung mir gekostet haben würde, etwas näheres von diesem Stücke zu erfahren – Sie wißen indeßen auch wieder mein Bescheidenheit – u so wohle nicht zudringlich seyn.

Er bittet Ihnen aber aufs alle innständigste zu verzeihen, daß er Ihnen auf den so gütigen, u mit so Ehrenvollen Aufträgen begleiteten Brief nicht selbst antwortet, seine Entschuldigungen sind diesmahl wohl ein wenig gerecht, weil er hier zum Begräbniß seiner Mutter, in empfangnehmung der Erbschaft, verckaufung der Moblien, u Grunde oder deren Vermiethung von Frühe bis späte so beschäftiget ist daß ihm keine Stunde zu einem vernünftigen Gedanken bey diesem Kummer übrig bleibt, er rechnet dahero auf Ihre Verzeihung, u bittet wenn H Director Ifland, oder Sie an ihm nach hieher zu schreiben belieben möchten es denn so einzurichten, daß er diesen Brief bis zum 12ten May hier erhalten möchte, an welchem Tage er von hier abzureisen u erst de 1 Juny in Warschau einzutreffen gedencket, nach d 1 Juny bäthe er also an ihm nach Warschau zu schreiben unter der Bemerkung „auf der Kriegs u Domainen Kammer zu erfragen“

ich hoffe u wünsche hiermit Ihrem Auftrage genüzet zu haben, u sollten Sie mir auch Einlagen an ihm senden, so werden sie auch, gerne u gleich wieder behändigen! -

Zitierhinweis

Von Tschepius an Huray. Königsberg, vor 30. April 1804. In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 29.04.2019. URL: https://iffland.bbaw.de/v8/A0000455


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