Magdeburg den 28ten Juni 1805.

| 1 Wohlgebohrener Herr Director!

Was werden Sie zu diesem Briefe sagen: ich bedarf selbst Empfehlung und erlaube mir Ihnen Andere zu empfehlen; doch konnte ich für den jungen Gerber nicht vorsorgen. Er ist mit blühender Jugendfülle ausgestattet und vereiniget damit nicht gewöhnliche Anlagen. Hat viel Willen und Sinn für seinen Beruf; ich weiß wie viel solche Eigenschaften bei Ew. Wohlgebohren gelten; daher denn auch auch meine Freiheit. Andererseits glaubte der junge Mann daß meine Empfehlung zur Erreichung seines Wunsches beitragen könnte; so viel darf ich gestehen daß sein glückliches Fortkommen mein innigster Wunsch ist. Mein befinden wird täglich besser und ich habe so ziemlich jede frühzeitigen Sorge aufgegeben; meine Hand zwar hat noch ihre vorige Kraft nicht wieder woran der böse Sommer Schuld ist, doch hab’ ich schon wieder mehrmahlen gespielt. – Hier haben wir Schillern schon eine Todesfeier gehalten – unser Theater bedurfte zu dem difficilen Plane keine Zeit, kein Nachdenken – ein Sarg wurde hingestellt, die ganze Bühne wie eine Weihnnachts-Bude ausgefl ir(?) (?)ht – dann wurde ein Choral gesungen, sage ein Choral, die mir die Melodien schienen nach Jesus meine Zuversicht, drauf sprach H: Fabrizius eine Rede, der Choral begann noch einmal u die Geschichte war aus. Wer weis ob sie den Gaffern nicht gefallen hat. En fin strich die Direction das Geld in ihre Kasse. Ich konnte nicht unterlaßen zu bemerken daß künftig ähnliche Dichter testamentarisch hinterlaßen würden, mit ihrem Tode nicht mehr zu wuchern, nach dem man mit ihrem Leben schon genug gewuchert hat. – Meine Frau ist meine Secretärin (darf ich Sie recht herzlich grüßen) und dies Geschäft ängstigt sie ein wenig. Daher schließlich der Wunsch Ihrer dauerhaften Gesundheit und das Geständnis meiner wärenden Hochachtung

Ew. Wohlgeboh: ergebenster Diener F: L: Schmidt.

Zitierhinweis

Von Friedrich Ludwig Schmidt. Magdeburg, 28. Juni 1805. Freitag. In: August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv. Digitale Edition, hg. v. Klaus Gerlach. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 29.04.2019. URL: https://iffland.bbaw.de/v8/A0000230


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