Von Johann Christian Franz an Michael Rudolph Pauly. Berlin-Moabit, 13. Dezember 1803. Dienstag

Der Beifall, womit Iffland, P. und mehrere Freunde F.s Musik aufgenommen hätten, habe für F. großen Wert. Gern würde er eine vollständige Probe aufführen, denn gestern hätten aus Mangel an Zeit die ganze Partie des Herrn Eunicke und der größte Teil der Partie des Herrn Gern nicht gegeben werden können. Das Orchester habe schon eingewilligt, Sänger und Sängerinnen wolle F. fragen. P. möge Iffland um Erlaubnis bitten, Ende der Woche eine weitere Probe aufführen zu können. Herr Bessel habe gestern gesagt, er wolle das Singspiel zum Benefiz seiner Tochter nach Königsberg schicken. - Im beiliegenden Hypothekenschein sei die Erhöhung des Gebäudewertes noch nicht berücksichtigt. Das werde erst Mitte März geschehen. Im Attest des Herrn Naumann seien Fehler. 1. seien bei einer Schuldsumme von 870 Reichstalern bei einer jährlichen Zahlung von 250 Reichstalern nicht vier Jahre anzuschlagen. 2. seien erste heute wiederum 100 Reichstaler bezahlt worden, die auch abgerechnet werden müssten. Zur Erklärung von F.s Frau über die Anleihe von 1500 Reichstalern werde F. Herrn von Warsing selbst bitten, zu F. zu kommen, da F.s Frau noch das Bett hüten müsse. - Weiterhin Details über den zu verlängernden Vertrag zwischen F. und der Direktion des Nationaltheaters. - F. habe nur mit dem Theater in St. Petersburg Verhandlungen geführt, sie aber sogleich wieder abgebrochen. Von Madame Mara habe F. im vorigen Jahr bei ihrem Aufenthalt in Berlin und in Charlottenburg im Döbbelin'schen Theater, wo sie auf der Durchreise nach St. Petersburg war, viel Beifall erhalten. Die Mara habe F. geraten, sich nach St. Petersburg an das italienische Hoftheater zu wenden, denn dort würde der Bassist Marcioletti pensioniert werden. F. habe nur mit der Mara eine Korrespondenz geführt. Der russische Sekretär Ekhoff habe F. die Äußerungen der Mara bestätigt, auch habe F. Ekhoff seine Bedingungen für das deutsche Theater in St. Petersburg schriftlich überreicht. - F. wolle sein Grundstück schnell verkaufen. Herr Dannenberg wolle F.s Sachen ohne Rücksicht verkaufen.

Von Michael Rudolph Pauly an Carl Reinhard. Berlin, 11. Mai 1804. Freitag

R.s Brief sei gestern kurz vor der Vorstellung eingetroffen, so dass P. die Zeit gefehlt habe, mit Iffland Rücksprache zu halten. Zuerst wolle R. eine Nebensache korrigieren. Frau Reinhard, habe geäußert, dass sie im Stücke Die Korsen nicht mehr auftreten wolle. - P. wiederhole mit großer Überzeugung, dass an dem Willen Ifflands, R.s Gattin zu helfen, nicht zu zweifeln sei. Frau Reinhard habe mehrere Rollen bekommen und sie könne die Hoffnung hegen, künftig weitere Rollen zu bekommen. Die Direktion gebe aber keine Versicherung über den Zeitpunkt, die Beschaffenheit und die Anzahl der Rollen. Es sei gegen die Grundsätze der hiesigen Theaterführung, ein ausschließliches Rollenfach an irgend jemand zu vergeben. Die Berliner Bühne sei reich an Schauspielerinnen, die sogenannte erste Rollen und Charakterrollen spielten. Madame Meyer spiele auch nur alle 14 Tage einmal und bekomme jährlich 2 oder 3 neue Rollen. Das gelte mehr oder weniger auch für Madame Schick, Madame Müller und Madame Eunicke. Madame Böheim und Madame Herdt gelangten noch schwerer zu neuen Rollen. Madame Reinhard hätte außerdem die Rolle der Lady Freelove Die eifersüchtige Ehefrau. zurückgegeben. P. habe eine völlig andere Ansicht von undankbaren Rollen. Undankbare Rollen seien solche, in welchen dem Schauspieler keine Gelegenheit gegeben werde, irgend etwas von Kunst oder Darstellungsgabe sehen zu lassen, oder solche, in die der Dichter Bombast und Unnatur gelegt habe. Beides treffe auf die Lady Freelove nicht zu. Im Übrigen habe Iffland die Lage der Dinge schon bei den Vertragsverhandlungen, als R. noch in Hannover war, dargelegt.

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