Von Friedrich Karl Sannens. Wien, 11. Juni 1812. Donnerstag

S. referiert den Spielplan der Wiener Bühnen für Mai und Anfang Juni 1812. Im Hoftheater am 8. Mai Kabale und Liebe mit Madame Kühne, am 13.5. nach langer Zeit wieder ein Stück von Collin: Balboa, aber vor leeren Rängen. Erfolgreich sei hingegen die Sammlung der Kunstfreunde zu seinem Monument gewesen; nur ein einziger sehr Großer habe widersprochen. Schröders Advokatenspiegel ist unverkennbar eine steife Übersetzung aus dem Englischen und fiel durch (15.5.). In Bayard hatte Mademoiselle Maaß viel Erfolg (18.5.); S. wird I. gedruckte Aufsätze über ihr Spiel schicken. Schröders Adelheid von Salisbury, schon vor 25 Jahren aufgeführt und am 23.5. als Neuheit präsentiert, erlebte nur zwei Vorstellungen. Am 25.5. Die Unvermählte mit Mademoiselle Maaß. Spontinis Ferdinand Cortez wurde mit großen Erfolg gegeben. Am 27.5. gab man Sonnenleithners Dir wie mir, was gut aufgenommen wurde, davor Maske für Maske, am 29.5. Kabale und Liebe, am 31.5. Das Mädchen von Marienburg - alle diese vier Aufführungen mit Mademoiselle Maaß. Im Theater an der Wien wurde am 1. Mai Die Komödie aus dem Mantelsack von Hasenhut aufgeführt, die durchfiel. Am 8.5. gab es Macbeth mit Lange in der Titelrolle. Die Aufführung erfolgte zum Besten des Pensions-Instituts der Theatermitglieder, doch wurde sie schlecht besucht, worüber es zu einem handfesten Streit zwischen Pálffy und Hartl, dem Begründer dieser Einrichtung, kam. Am 15.5. Kotzebues Die Verschwörung auf Kamtschatka mit Madame Kühne, am 16.5. Vetter Damian von Sigora von Eulenstein - ein mittelmäßiges Stück - und am 29.5. Die Jungfrau von Orleans mit Mademoiselle Maaß. Anfang Juni - am 2.6. und am 10.6. - Die Jungfrau von Orleansim Theater an der Wien wiederholt, am 9. Essex mit Mademoiselle Maaß. Pálffy hat Mademoiselle Maaß im Egmont singen hören und sie überredet, in Aschenbrödel aufzutreten, was sie wohl auch bald tun wird. Die Maaß kann also vor Mitte Juni ihre Gastrollen nicht beenden. S. hat den bescheidenen, aber doch so begabten jungen Dichter - Theodor Körner - überredet, ihm Abschriften seiner Stück für I. zu überlassen: Der grüne Domino, Die Braut, Der Nachtwächter und Toni. Was das Honorar angeht, ist nichts vereinbart. Er schickt ihm außerdem gedruckt die Oper Franzisca von Foix, die hier viel Erfolg hatte, und Die Zeiträume. Außerdem schickt er ihm 21 Exemplare eines Gedichts zum Gedenken an Brockmann, das S. auf eigene Kosten verlegt hat. Zum Schluss kommt er auf die Schwierigkeiten und das Durcheinander im Hoftheater zu sprechen, über Klagen und Entlassungen; im kommenden Monat wird nicht gespielt, um die Gagen zu sparen.

Von Julius von Voß an Michael Rudolph Pauly. Berlin, 12. Juni 1812. Freitag

V. hätte vernommen, dass eine Behörde die Aufführung seines Lustspiels Die Pfarre als unsittlich verboten hat. Nun werde seine Schuld beim Theater noch größer und er frage sich, wieviele Stücke er fertigen müsse, bis eines zur Aufführung gelangt. Dabei sei das Verbot ein Missversträndnis: Es sei doch nur sein Ziel gewesen, die Missbräuche bei der Besetzung von Predigerämtern anzuprangern, vor allem wenn die Grundherrschaft im Spiel sei. V. versteht angesichts der romantischen Verwicklung und der Komik den Vorwurf der Unsittlichkeit nicht. Sein Lustspiel enthalte keine anstößigen Stellen, wie sie Lustspiele in Frankreich oder auch in Deutschland enthielten (er nennt Beispiele). V. fühlt sich ungerecht behandelt, weil die Behörde nur einige wenige zweideutige Stellen zu nennen wisse und doch das ganze Stück für unsittlich erkläre. Dabei wäre er auch zu Anpassungen bereit gewesen. Außerdem entzieht sich die Argumentation seinem Verständnis: sollen keine religiösen Fragen auf die Bühne kommen, so erinnert V. als Gegenbeispiel an Zacharias Werners Die Weihe der Kraft. Endlich versteht V. nicht, weshalb man ihm die Zweifel, die eine Figur an den Wundern der Bibel äußere, vorwerfe. Diesen Zweifeln würde widersprochen; außerdem stünden sie in keinem Verhältnis zu Kotzebues Die Unglücklichen, wo der Prediger erkläre, er können nicht an das glauben, was er lehre! Da dem Theater bei einem solchen Verbot ebenso ein Nachteil drohe wie dem Autor, erwarte V., dass P. ihn im Kampf gegen das Verbot unterstütze. Von Mustapaha Bairacktar habe er nichts mehr gehört, wahrscheinlich sei das Stück von einer anderen Behörde verboten worden. V. bittet um Rücksendung jener Manuskripte, die keine Beachtung im Theater fänden: Die blühende und die verblühte Jungfer, Die geitzige Frau und Die Wunderlampe. In der Nachschrift vermerkt V., dass er die Einschätzung eines Geistlichen erfragt habe; sollte V. etwas über das Verbot drucken lassen, wird jener das Gutachten beibringen.

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