1Während seiner Direktionszeit von Dezember 1796 bis 1814 archivierte Iffland seine amtliche Korrespondenz sowie administrative und dramaturgische Dokumente. Von diesem Archiv sind 34 in blaues Papier eingeschlagene Pappbände im Folioformat überliefert. Iffland sammelte und verwahrte in diesen Bänden alle schriftlichen Materialien sowohl chronologisch als auch systematisch. Jeder Band trägt auf dem Rücken Jahreszahlen, die die Etatperiode benennen, und Sachtitel, die den Inhalt bezeichnen.

2Die Bände befinden sich nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand, sie sind beschädigt bzw. unvollständig. Die Bindung ist teilweise zerstört, Blätter wurden herausgetrennt, -geschnitten oder -gerissen. Trotz Lücken bilden die Bände in ihrer Gesamtheit ein wichtiges Zeugnis der Theatergeschichte der Goethezeit. Jedes Blatt der mehrere tausend Blatt umfassenden Sammlung stammt von Iffland oder ist an ihn gerichtet oder wurde in seinem Auftrag verfasst. Das Archiv ist das handschriftliche Monument des Berliner Nationaltheaters.

3Den Kern bildet der Briefwechsel Ifflands mit seinem Ensemble, dem Orchester, Dekorationsmalern, Autoren, Komponisten, Übersetzern, Beamten, Zuschauern aus der Berliner Gesellschaft und Direktoren von Theatern und Theatertruppen. Wichtige Themen sind Engagement und Rollenbesetzung, Bestellung und Ablehnung von Werken, Repertoiregestaltung und Aufführungspraxis, Gagen und Etatabrechnung.

4Die Briefe zeigen, welche soziale Funktion und Bedeutung dem Theater zu Beginn des 19. Jahrhunderts zukam. Wissenschaftler und Künstler erwählten das Theater zu einem zentralen Wirkungsfeld, weil es ihnen die Möglichkeit bot, auf den gesamten kulturtragenden Teil der Gesellschaft einzuwirken. Unter den Korrespondenten befinden sich demzufolge einflussreiche Akteure aus Wissenschaft, Kultur und Politik. Das Archiv beinhaltet neben Briefen auch Dokumente, die die Funktionsabläufe des Theaters beschreiben und der Forschung Einblicke in die Aufführungspraxis erlauben. Gerade diese das Theater dokumentierenden Schriftstücke haben einen außerordentlichen Wert. Das Archiv gibt auch Auskunft über die Funktion des Hauses als Ort der Repräsentation in Berlins Mitte, welche eine Komponente der beschriebenen sozialen Funktion des Theaters im 19. Jahrhundert bildet. Des Weiteren beinhaltet es Kostümverzeichnisse, Gehaltstabellen, Etatabrechnungen und auch Schriften Ifflands zum Theater. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Dokumente Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv aus der Zeit seines Wirkens am Berliner Nationaltheater bilden. Wichtig sind nicht die einzelnen Stücke der Sammlung, so viele singuläre Einzelstücke es darin auch geben mag, sondern deren Gesamtheit und ihr Überlieferungszusammenhang.

 

Über den Autor

 

Klaus Gerlach

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

gerlach@bbaw.de